WLAN

WLAN durch Wände: Wie weit das Signal wirklich reicht

Wie weit reicht WLAN durch Ziegel, Beton oder Glas? Mit dB-Tabelle pro Material und Frequenz, dazu welche Lösung in Ihrem Gebäude tatsächlich hilft.

Serdar Yildirim· Technische Leitung8 min Lesezeit
Helles Wohnzimmer mit Bücherregal und Wand-Aufbau, der WLAN-Signale dämpft.
Foto: Esteban Carriazo auf Pexels

Eine Ziegelwand kostet Ihr 5-GHz-WLAN 8 bis 12 dB, eine Stahlbetondecke mit Bewehrung 25 bis 35 dB. Ein typischer Router sendet mit etwa 20 dBm: Nach zwei solchen Hindernissen ist das Signal praktisch tot. Weder ein teurerer Router noch ein Kanalwechsel ändern daran etwas, denn die Sendeleistung ist gesetzlich auf 100 bis 200 mW begrenzt.

Wie stark Wände Ihr WLAN bremsen

WLAN-Signale verlieren beim Durchgang durch Materialien an Stärke. Wie viel, hängt vom Material und der Frequenz ab. Maßgeblich ist für die Planung die Spalte 5 GHz, weil dort der größte Teil des Verkehrs läuft:

Material2,4 GHz5 GHz6 GHz
Glas1 bis 3 dB2 bis 4 dB3 bis 5 dB
Trockenbauwand2 bis 4 dB3 bis 5 dB4 bis 6 dB
Ziegel5 bis 8 dB8 bis 12 dB10 bis 14 dB
Beton10 bis 18 dB15 bis 25 dB18 bis 28 dB
Stahlbeton mit Bewehrung18 bis 28 dB25 bis 35 dB30 bis 40 dB
Metallbeschichtetes Glas20 bis 30 dB25 bis 35 dB28 bis 38 dB

Zum Vergleich: Ein Router sendet typisch mit 20 dBm. Die Empfangsschwelle für ein nutzbares Signal liegt bei etwa -70 dBm. Sie haben also rund 90 dB Reserve, bevor das Signal tot ist. Das ist weniger, als es aussieht: Eine Stahlbetondecke und zwei Ziegelwände fressen davon schon rund die Hälfte. Bei drei starken Hindernissen im Signalweg ist die Verbindung erledigt.

Alte Massivwände im Altbau, 30 bis 40 cm Bruchstein oder Vollziegel, liegen in der Praxis am oberen Ende der Beton-Werte und darüber: 20 bis 25 dB pro Wand sind normal, mit Putzträgern aus Metall und Schilfrohr kommt es noch dicker.

Wenn Sie wissen wollen, wo genau in Ihrem Gebäude das Signal stirbt: Eine professionelle WLAN-Ausleuchtung misst das vor Ort, in Bonn, Köln und Düsseldorf auch kurzfristig.

5 GHz ist schneller, aber schlechter durch Wände. Das ist der Grund, warum Ihr 5-GHz-WLAN im Nebenzimmer versagt, während 2,4 GHz dort noch funktioniert. Die meisten modernen Access Points senden beide Bänder parallel, das Endgerät entscheidet selbst, welches es nimmt. In der Praxis kleben viele Geräte aber an 5 GHz fest, auch wenn das Signal längst zu schwach ist.

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Das 6-GHz-Band: Schneller, aber noch schlechter durch Wände

Das 6-GHz-Band ist in der EU von 5.945 bis 6.425 MHz freigegeben, im Innenraumbetrieb (LPI) mit 200 mW EIRP, also 23 dBm. Nutzen können es nur Geräte mit Wi-Fi 6E oder Wi-Fi 7, bei uns also die UniFi U7-Serie. Wi-Fi 6 und damit die U6-Serie funkt ausschließlich auf 2,4 und 5 GHz.

Der Vorteil: viel Platz, kaum Nachbar-Netze, hohe Datenraten. Der Nachteil: 6 GHz dämpft noch stärker als 5 GHz. Eine Stahlbetonwand mit Bewehrung reduziert ein 6-GHz-Signal um 30 bis 40 dB. Im selben Raum ist das Band großartig, jenseits einer massiven Wand ist es oft schlechter als das alte 5-GHz-Signal.

Wer 6 GHz sinnvoll einsetzen will, plant einen Access Point pro Raum oder zumindest pro Zone. Ein einzelner Access Point im Flur, der über 6 GHz die ganze Wohnung versorgen soll, ist Geldverschwendung.

Was nicht hilft

Stärkerer Router

Die Sendeleistung ist gesetzlich begrenzt: 100 mW EIRP bei 2,4 GHz, 200 mW im unteren 5-GHz-Bereich, 200 mW EIRP (23 dBm) bei 6 GHz im Innenraumbetrieb. Ein teures Gerät sendet nicht stärker als ein günstiges. Es hat bessere Antennen, mehr räumliche Streams (MU-MIMO) und cleverere Beamforming-Logik. Das hilft im selben Raum spürbar, an der Wanddämpfung ändert es nichts.

WLAN-Kanal wechseln

Hilft bei Interferenzen durch Nachbar-WLANs, typisch im Mehrfamilienhaus auf 2,4 GHz. Gegen Wände hilft es nicht.

Router höher stellen

Kann minimal helfen, wenn der Router am Boden steht und die Signale durch Möbel laufen. Ändert nichts an der Wanddämpfung.

Bessere Antennen anschrauben

Die meisten Router haben fest montierte Antennen. Wer Schraubantennen hat, gewinnt mit stärker richtenden Modellen vielleicht 2 bis 3 dB. Das reicht in keinem Altbauszenario.

Was wirklich hilft

1. Zweiten Access Point per Kabel anbinden (beste Lösung)

Ein Access Point auf der anderen Seite der Wand, per Cat6a-Kabel an den Switch angebunden. Volle Geschwindigkeit, kein Verlust durch Wände, weil das Signal die Wand gar nicht überqueren muss. Das ist die einzige Lösung, die wir bei Geschäftskunden einsetzen.

Wir verbauen dafür UniFi: U6 Lite (rund 110 €) für einzelne Räume, U6 Pro (rund 200 €) als Standard, U6 In-Wall (rund 160 €), wenn eine Netzwerkdose ohnehin gesetzt wird, und U7 Pro (rund 320 €), wenn das 6-GHz-Band gebraucht wird. Alle laufen über PoE, brauchen also nur ein Netzwerkkabel ohne separate Stromversorgung. Mehr dazu in unserem Beitrag zu Power over Ethernet. Der Controller läuft auf einem UniFi Cloud Gateway im Haus, Lizenzkosten fallen nicht an.

2. Mesh mit Ethernet-Backhaul

Mesh-Knoten, die per Netzwerkkabel verbunden sind, funktionieren wie Access Points: nahtloses Roaming, volle Geschwindigkeit, kein Bandbreitenverlust. Wenn für einen Bereich kein Kabel möglich ist, ergänzen wir einen UniFi U6 Mesh (rund 200 €), der per Funk an einen verkabelten AP andockt und im selben Controller bleibt. Im Consumer-Segment gibt es Mesh-Sets von Anbietern wie AVM oder TP-Link, die einfacher einzurichten sind, aber kein VLAN und kein zentrales Monitoring bieten.

Wichtig: Mesh ohne Kabel ist nicht dasselbe. Ohne Kabel funken die Knoten untereinander über WLAN, und dieser Funk-Backhaul halbiert mindestens die nutzbare Bandbreite. Bei 30 cm Massivwand zwischen den Knoten funktioniert das gar nicht.

3. Powerline-Adapter mit WLAN

Powerline nutzt die Stromleitung als Ersatz für das Netzwerkkabel. Wer kein Kabel verlegen kann, hat hier eine Notlösung. Die Geschwindigkeit hängt komplett vom Stromnetz ab: Adapter der aktuellen Generation schaffen unter idealen Bedingungen 200 bis 300 Mbit/s real, über zwei Phasen oder durch FI-Schutzschalter eher 30 bis 80 Mbit/s. Wir setzen Powerline ein, wenn ein Kunde ausdrücklich kein Kabel will. Bei Geschäftskunden nicht.

4. 2,4 GHz bewusst nutzen

Für Geräte hinter Wänden: Betreiben Sie ein separates 2,4-GHz-Netz. Langsamer, mit Wi-Fi 4 rund 150 bis 300 Mbit/s brutto und mit Wi-Fi 6 auf 2,4 GHz etwas mehr, dafür deutlich bessere Wanddurchdringung. Wi-Fi 5 kommt hier übrigens nicht in Frage, dieser Standard arbeitet ausschließlich auf 5 GHz. Unsere Empfehlung: Smart-Home-Geräte, Sensoren und Saugroboter ins 2,4-GHz-Netz, Streaming und Videocalls auf 5 GHz im selben Raum wie der Access Point.

Beispielrechnung: Altbauwohnung in Köln, 110 m², vier Zimmer

Massivwände von 35 cm, Stuckdecken mit Putzträgern, ein Router im Flur, der nur den ersten Raum versorgt. Planungswert für Altbau und Massivwände: ein Access Point pro 80 bis 120 m², wegen des Wandaufbaus hier pro Raumgruppe.

  • Drei UniFi U6 Lite, je rund 110 €: 330 €
  • PoE-Switch mit 8 Ports: 150 €
  • UniFi Cloud Gateway als Controller: 250 €
  • Cat6a-Verkabelung im Kabelkanal entlang der Sockelleisten, rund 60 m zu 4 bis 10 € pro Meter: 240 bis 600 €
  • Montage, Ausleuchtung und Konfiguration: 500 bis 700 €

Gesamt: 1.470 bis 2.030 €. Solche Fälle planen wir als WLAN-Planung in Bonn mit Ausleuchtung vor Ort.

Hardware nach Szenario

SzenarioHardwarePreis pro AP
Wohnung 70 m², eine Wand im WegUniFi U6 Literund 110 €
Wohnung oder Haus 90 bis 130 m², 2 bis 3 WändeUniFi U6 Prorund 200 €
Altbau mit Massivwänden, ein AP pro RaumgruppeUniFi U6 Lite, mehrfachrund 110 €
Netzwerkdose und WLAN in einemUniFi U6 In-Wallrund 160 €
6-GHz-Band gewünschtUniFi U7 Prorund 320 €
Hof, Lager, AußenflächeUniFi U7 Outdoorrund 220 €

Für die Anbindung: Cat6a-Kabel mit RJ45. Cat7 brauchen Sie nicht (warum nicht). Ein Glasfaser-Backbone zwischen Stockwerken nur, wenn Sie ohnehin einen Schacht oder ein Leerrohr haben.

Was wir Ihnen raten würden

Wenn Ihr WLAN trotz Repeater oder besserem Router nicht reicht: Der dritte Repeater löst es nicht. Repeater halbieren die Bandbreite und addieren Latenz. Ein Access Point per Kabel kostet etwas mehr Aufwand, läuft aber jahrelang stabil und liefert die Geschwindigkeit, die Ihr Internetanschluss hergibt.

In Altbauten mit Massivwänden ist ein Access Point pro Raumgruppe nicht überdimensioniert, sondern der Normalfall. Wir messen vor Ort, wo Ihr Signal wirklich abreißt, und planen dann die Mindestlösung, nicht die teuerste.

Wir bieten WLAN-Planung und Netzwerkverkabelung für Privatkunden und Unternehmen in Köln und Bonn, die WLAN-Planung in Düsseldorf mit Messung vor Ort im Medienhafen, in Derendorf und Bilk. Wenn Sie eine zweite Meinung oder einen Vergleich zwischen Mesh, Repeater und Access Point wollen: sprechen Sie uns an. Rückmeldung innerhalb eines Werktags, das Angebot folgt nach dem Vor-Ort-Aufmaß.

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