WLAN

WLAN durch Wände: Wie weit das Signal wirklich reicht

Wie weit reicht WLAN durch Ziegel, Beton oder Holz? Mit dB-Tabelle pro Material und Frequenz, dazu drei NRW-Altbau-Fälle und welche Lösung im Ihrem Gebäude tatsächlich hilft.

Serdar Yildirim· IT-Leiter & Netzwerktechniker7 min Lesezeit
Helles Wohnzimmer mit Bücherregal und Wand-Aufbau, der WLAN-Signale dämpft.
Foto: Esteban Carriazo auf Pexels

Eine 24-cm-Ziegelwand dämpft Ihr 5-GHz-WLAN um 15 bis 20 dB, eine Stahlbetondecke legt weitere 20 bis 30 dB drauf. Ein typischer Router sendet mit etwa 20 dBm: Nach zwei solchen Hindernissen ist das Signal praktisch null. Weder ein teurerer Router noch ein Kanalwechsel ändern das, denn die Sendeleistung ist gesetzlich auf 100–200 mW begrenzt und Physik ist Physik.

Wie stark Wände Ihr WLAN bremsen

WLAN-Signale verlieren beim Durchgang durch Materialien an Stärke. Wie viel, hängt vom Material und der Frequenz ab:

Material2,4 GHz5 GHz6 GHz (Wi-Fi 6E)
Holztür2 – 3 dB3 – 4 dB4 – 5 dB
Trockenbauwand3 – 5 dB4 – 6 dB5 – 7 dB
Lochziegel 11,5 cm5 – 8 dB8 – 12 dB10 – 14 dB
Vollziegel 24 cm8 – 12 dB15 – 20 dB20 – 25 dB
Bruchsteinwand 30–40 cm (Altbau)15 – 25 dB25 – 35 dB35 – 45 dB
Porenbeton (Ytong) 24 cm4 – 6 dB7 – 10 dB10 – 13 dB
Stahlbetondecke 20 cm15 – 20 dB20 – 30 dB25 – 35 dB
Metalltor / Aufzug20+ dB30+ dB35+ dB

Zum Vergleich: Ein Router sendet typisch mit 20 dBm. Die Empfangsschwelle für ein nutzbares Signal liegt bei etwa –70 dBm. Sie haben also rund 90 dB Reserve, bevor das Signal tot ist. Klingt viel. Eine 24-cm-Ziegelwand und eine Betondecke fressen davon schon mehr als die Hälfte. Drei Wände im Altbau mit Bruchstein? Vergessen Sie es.

5 GHz ist schneller, aber schlechter durch Wände. Das ist der Grund, warum Ihr 5-GHz-WLAN im Nebenzimmer versagt, während 2,4 GHz dort noch funktioniert. Die meisten modernen Router senden beide Bänder parallel, das Endgerät entscheidet selbst, welches besser ist. In der Praxis kleben viele Geräte aber an 5 GHz fest, auch wenn das Signal grottig ist.

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Wi-Fi 6E im 6-GHz-Band: Schneller, aber noch schlechter durch Wände

Wi-Fi 6E nutzt zusätzlich das 6-GHz-Band (5,925 bis 7,125 GHz). Mehr Bandbreite, weniger Störungen durch Nachbar-Netze, deutlich höhere Spitzendatenraten. Klingt gut, hat aber einen Haken: 6 GHz dämpft noch stärker als 5 GHz. Eine Bruchsteinwand reduziert ein 6-GHz-Signal um 35 bis 45 dB. Das heißt: Wi-Fi 6E ist großartig in einem Raum, aber jenseits einer Wand oft schlechter als das alte 5-GHz-Signal.

Wer Wi-Fi 6E sinnvoll einsetzen will, plant einen Access Point pro Raum oder zumindest pro Zone. Ein einzelner Wi-Fi-6E-Router im Flur, der die ganze Wohnung versorgen soll, ist Geldverschwendung. In dem Fall hätte ein klassischer Wi-Fi-6-Router auf 5 GHz mehr Reichweite gebracht.

Was nicht hilft

Stärkerer Router

Die Sendeleistung von Routern ist gesetzlich begrenzt: 100 mW EIRP bei 2,4 GHz, 200 mW bei 5 GHz, 250 mW bei 6 GHz. Ein teurer Router sendet nicht stärker als ein günstiger. Er hat bessere Antennen, mehr räumliche Streams (MU-MIMO) und cleverere Beamforming-Logik. Das hilft im selben Raum spürbar, an der Wandsituation ändert es nichts.

WLAN-Kanal wechseln

Hilft bei Interferenzen durch Nachbar-WLANs (typisch im Mehrfamilienhaus auf 2,4 GHz). Gegen Wände hilft das nicht. Physik ist Physik.

Router höher stellen

Kann minimal helfen, wenn der Router am Boden steht und die Signale durch Möbel verlaufen. Ändert nichts an der Wanddämpfung.

Bessere Antennen anschrauben

Die meisten Router haben fest montierte Antennen. Wer Schraubantennen hat, gewinnt durch dB-stärkere Modelle vielleicht 2–3 dB Richtwirkung. Reicht in keinem Altbauszenario.

Was wirklich hilft

1. Zweiten Access Point per Kabel anbinden (beste Lösung)

Ein Access Point auf der anderen Seite der Wand, per Cat6a-Kabel an den Router oder Switch angebunden. Volle Geschwindigkeit, keine Verluste, kein Verlust durch Wände, weil das Signal die Wand gar nicht überqueren muss. Das ist die einzige Lösung, die wir bei Geschäftskunden überhaupt einsetzen.

Empfehlenswerte Modelle: Ubiquiti UniFi U6-Pro (210 €), TP-Link Omada EAP670 (180 €), Aruba Instant On AP22 (240 €). Alle drei laufen über PoE, brauchen also nur ein Netzwerkkabel ohne separate Stromversorgung. Mehr dazu in unserem Beitrag zu Power over Ethernet.

2. Mesh-System mit Ethernet-Backhaul

Mesh-Knoten, die per Netzwerkkabel verbunden sind, funktionieren wie Access Points. Nahtloses Roaming für mobile Geräte, volle Geschwindigkeit, kein Bandbreitenverlust. Geeignet für Privatkunden, die kein VLAN brauchen und einfache Bedienung wollen. Devolo Magic 2 WiFi 6, TP-Link Deco X95 oder Ubiquiti AmpliFi Alien sind realistische Auswahlmöglichkeiten.

Wichtig: Mesh ohne Kabel ist NICHT dasselbe. Ohne Kabel funken die Knoten untereinander über WLAN (drahtloser Backhaul), und das halbiert mindestens die nutzbare Bandbreite. Bei 30 cm Bruchstein zwischen den Knoten funktioniert das überhaupt nicht.

3. Powerline-Adapter mit WLAN

Nutzen die Stromleitung als Netzwerkkabel-Ersatz. Wer kein Kabel verlegen kann, hat hier eine ehrliche Notlösung. Die Geschwindigkeit hängt komplett vom Stromnetz ab: Devolo Magic 2 oder TP-Link AV2000 schaffen unter idealen Bedingungen 200–300 Mbit/s real, über zwei Phasen oder durch FI-Schutzschalter eher 30–80 Mbit/s. Wir setzen Powerline ein, wenn ein Kunde explizit kein Kabel will und kein Glasfaser-WLAN-Backbone haben kann. Bei Geschäftskunden nie.

4. 2,4 GHz bewusst nutzen

Für Geräte hinter Wänden: Aktivieren Sie ein separates 2,4-GHz-Netz. Langsamer (max. 300–600 Mbit/s mit Wi-Fi 4 oder 5), aber deutlich bessere Wanddurchdringung. Unsere Empfehlung: Smart-Home-Geräte (Lichtschalter, Sensoren, Saugroboter) ins 2,4-GHz-Netz, Streaming und Videocall auf 5 GHz im selben Raum wie der AP.

Sonderfall Altbau: Drei NRW-Beispiele aus unserer Praxis

Altbauten in Köln, Bonn oder Düsseldorf mit 30–40 cm dicken Bruchsteinwänden sind WLAN-Killer. Drei reale Fälle aus den letzten zwei Jahren:

Bonn-Südstadt, Baujahr 1908, 110 m², 4-Zimmer-Wohnung. Bruchsteinwände 35 cm, Stuckdecken mit Schilfrohrträgern. Ein FRITZ!Box 7590 im Flur reichte nur in den ersten Raum. Lösung: drei UniFi U6-Lite per Cat6a-Kabel angebunden, ein AP pro Raum-Gruppe. Materialkosten 540 €, Installation inkl. Aufputz-Kabelkanal in Sockelleisten 1.150 €. Endpreis: 1.690 €.

Köln-Innenstadt, Baujahr 1898, Maisonette mit 95 m² auf zwei Ebenen. Stahlträger in der Decke, dazwischen Bruchstein. Mesh-System ohne Kabel hatte der Kunde schon ausprobiert, lief mit 12 Mbit/s zwischen den Stockwerken. Lösung: zwei UniFi U6-Pro, ein Stockwerk per Powerline-AV2000 verbunden, weil keine Kabelführung im Treppenhaus möglich war. Endpreis: 2.100 €. Stabil läuft jetzt 180 Mbit/s über die Powerline-Strecke.

Düsseldorf-Pempelfort, Baujahr 1925, Stuckaltbau 130 m². Drei tragende Bruchsteinwände kreuzten den Grundriss. Vorhandener Repeater hatte 50 % Paketverlust. Lösung: vier TP-Link Omada EAP670 in Decken-Aufputzdosen, Verkabelung in den Sockelleisten verlegt (Denkmalschutz, kein Aufstemmen erlaubt). Endpreis: 3.400 €.

In allen drei Fällen war ein AP pro Raum die einzige zuverlässige Lösung. Repeater wurden vorher probiert und wieder ausgebaut. Mesh ohne Kabel läuft dort nicht.

Hardware-Empfehlungen für schwierige Gebäude

Welcher Access Point wofür:

SzenarioHardwarePreis pro AP
Wohnung 70 m², 1 WandUniFi U6-Lite oder Omada EAP610100 – 130 €
Wohnung/Haus 90–130 m², 2–3 WändeUniFi U6-Pro oder Omada EAP670180 – 220 €
Altbau Bruchstein, AP pro RaumUniFi U6-Lite (mehrere)100 € pro AP
Wi-Fi 6E gewünscht (alle Bänder)UniFi U7-Pro oder TP-Link EAP780280 – 350 €
Großes Gewerbe (Ausleuchtung professionell)Aruba Instant On AP25 oder Cisco Meraki MR46350 – 700 €

Für die Anbindung an den Router: Cat6a-Kabel mit RJ45-Stecker. Cat7 brauchen Sie nicht (warum nicht). Glasfaser-Backbone zwischen Stockwerken nur, wenn Sie ohnehin einen Schacht oder ein Leerrohr haben.

Was wir Ihnen raten würden

Wenn Ihr WLAN trotz Repeater oder besserem Router nicht reicht: lassen Sie sich nicht vom dritten Repeater ködern. Repeater halbieren grundsätzlich die Bandbreite und addieren Latenz. Ein Access Point per Kabel kostet etwas mehr Aufwand, läuft aber Jahre stabil und liefert die volle Geschwindigkeit, die Ihr Internetanschluss hergibt.

In Altbauten mit Bruchsteinwänden ist ein AP pro Raum nicht überdimensioniert, sondern Standard. Wir haben das in Bonn, Köln und Düsseldorf dutzendfach so gebaut. Die Erstberatung mit Ausleuchtungsmessung vor Ort ist kostenlos. Wir messen, wo Ihr Signal wirklich abreißt, und planen dann die Mindestlösung, nicht die teuerste.

Wir bieten WLAN-Planung und Netzwerkverkabelung für Privatkunden und Unternehmen. Wenn Sie eine zweite Meinung wollen oder einen ehrlichen Vergleich zwischen Mesh, Repeater und Access Point: sprechen Sie uns an.

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