Netzwerktechnik

PoE erklärt: Access Point & Kamera ohne Steckdose installieren

Power over Ethernet versorgt Kameras, Access Points und Telefone über das Netzwerkkabel mit Strom. Wie PoE funktioniert, was es kostet und wann es sich lohnt.

Serdar Yildirim· Technische Leitung7 min Lesezeit
Ein Netzwerk-Switch mit angesteckten Ethernet-Kabeln in einem Serverschrank.
Foto: User_Pascal auf Unsplash

PoE (Power over Ethernet) spart bei zehn IP-Kameras rund 800 bis 1.500 Euro Elektrikerkosten, weil separate Steckdosen an Decke und Außenwand entfallen. Ein einziges Cat6a-Kabel liefert Daten und bis zu 90 Watt Strom gleichzeitig, welcher Standard passt, hängt vom Gerät ab. Für Access Points und Kameras reicht PoE+ (802.3at, 30 W); PoE++ brauchen Sie nur für Sonderfälle wie beheizte Outdoor-Geräte.

Wie funktioniert PoE?

Ein PoE-fähiger Switch oder Injektor speist Gleichstrom auf dieselben Adernpaare ein, über die auch die Daten laufen. Bei Gigabit-Ethernet sind alle vier Paare für die Datenübertragung belegt, freie Adern gibt es also nicht. Die Einspeisung erfolgt deshalb per Phantomspeisung: Der Strom wird mittig in die Übertrager eingekoppelt und liegt auf beiden Adern eines Paares gleich an. Das Datensignal, das als Differenz zwischen den beiden Adern übertragen wird, bleibt davon unberührt. Das Endgerät, also Kamera, Access Point oder Telefon, erkennt die Speisung und zieht sich, was es braucht.

Nicht-PoE-Geräte nehmen keinen Schaden. Der Switch prüft mit einem kurzen Spannungspuls, ob das angeschlossene Gerät PoE unterstützt, und schaltet Strom nur dann ein. Schließen Sie einen normalen PC an, passiert nichts.

Der Standard dahinter ist IEEE 802.3. Er regelt Leistungsklassen, die Erkennung des Endgeräts und die Kommunikation zwischen Switch und Gerät.

Die drei PoE-Standards

StandardLeistung am SpeiseportTypische Geräte
PoE (802.3af)15,4 WVoIP-Telefone, einfache Kameras
PoE+ (802.3at)30 WAccess Points, PTZ-Kameras, Türstationen
PoE++ (802.3bt, Typ 3)60 Wstarke Access Points, Displays
PoE++ (802.3bt, Typ 4)90 Wbeheizte Außengeräte, LED-Beleuchtung

Die Wattzahlen gelten am Speiseport (PSE). Am Endgerät kommt je nach Kabellänge und Querschnitt etwas weniger an, weil ein Teil der Leistung als Wärme auf der Strecke bleibt.

Für die meisten Installationen reicht PoE+ (802.3at). Er versorgt WLAN Access Points, IP-Kameras und Türstationen problemlos.

PoE++ brauchen Sie nur dann, wenn Sie Deckenleuchten, sehr leistungshungrige PTZ-Kameras oder Outdoor-Access-Points mit Heizung betreiben. Der Aufpreis lohnt sich dann trotzdem, weil ein 802.3bt-Switch alle darunterliegenden Klassen mit abdeckt.

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Welche Geräte nutzen PoE?

WLAN Access Points sind der häufigste Einsatzfall. Kabel zur Decke, Access Point drauf, fertig. Wir installieren UniFi Access Points in Büros, Praxen und Lagern ausschließlich per PoE.

IP-Kameras, besonders an Außenwänden und Decken, wo Steckdosen fehlen. Eine Kamera mit PoE kostet dasselbe wie mit eigenem Netzteil, spart aber die Installation einer separaten Steckdose. Bei zehn Kameras sind das rund 800 bis 1.500 Euro weniger Elektrikerkosten.

VoIP-Telefone bekommen Strom und Daten über ein Kabel. Kein Netzteil auf dem Schreibtisch, und das Telefon funktioniert auch bei einem kurzen Stromausfall, wenn der Switch an einer USV hängt.

Türstationen. Strom und Netzwerk über ein Kabel zur Haustür. Bei Neubau oder Sanierung spart das die zweite Leitung komplett.

Zutrittskontroll-Leser. Die Leser brauchen Strom und Netzwerk, PoE liefert beides. Der Türöffner selbst hängt meist an einer separaten 12-V-Leitung, der Leser läuft sauber über PoE.

Was kostet ein PoE-Switch?

PortsPoE+ BudgetTypischer PreisGeeignet für
8-Port PoE+120 bis 150 W100 bis 250 €Kleines Büro, 4 bis 6 Kameras
16-Port PoE+240 bis 250 W200 bis 500 €Mittleres Büro, 8 bis 12 Geräte
24-Port PoE+370 bis 400 W300 bis 800 €Größeres Büro, Arztpraxis, Mehrfamilienhaus
48-Port PoE+740 bis 800 W600 bis 1.600 €Großes Gebäude, Campus

Wir planen und verbauen auf UniFi. Für kleine Installationen der USW-Lite-8-PoE, für Büros und Praxen der USW-Pro-24-PoE (rund 550 Euro), verwaltet über ein UniFi Cloud Gateway. Lizenz- oder Abogebühren fallen dabei nicht an, was den Vergleich mit cloudverwalteten Alternativen anderer Hersteller über die Laufzeit deutlich verschiebt.

Das Kabel selbst muss nicht speziell sein. Normales Cat6a trägt alle PoE-Standards über die volle normgerechte Kanallänge von 100 Metern.

PoE-Budget berechnen

Jeder PoE-Switch hat ein Gesamtbudget für alle Ports zusammen. Ein 8-Port-PoE+-Switch mit 120-Watt-Budget kann alle 8 Ports gleichzeitig mit je 15 Watt versorgen. Zieht ein Gerät mehr, schaltet der Switch bei Überlast einzelne Ports nach Priorität ab.

So rechnen Sie:

  1. Liste aller geplanten PoE-Geräte aufstellen
  2. Leistungsaufnahme pro Gerät notieren (steht im Datenblatt, oft 8 bis 15 W bei Access Points, 5 bis 12 W bei Kameras)
  3. Summe der Leistungen bilden
  4. Einen Switch wählen, dessen Budget mindestens 20 % über der Summe liegt

Beispiel: 6 Access Points à 12 W + 4 Kameras à 8 W = 72 + 32 = 104 W. Sie brauchen einen Switch mit mindestens 125 W PoE-Budget.

Häufiger Fehler: nur auf die Port-Anzahl schauen und das Gesamtbudget ignorieren. Günstige Switches mit 8 Ports haben manchmal nur 65 W Budget. Damit können Sie nicht alle 8 Ports gleichzeitig belasten.

Beispielrechnung: Büro mit 12 Arbeitsplätzen

Ausgangslage: 3 Access Points an der Decke, 8 IP-Telefone, 2 Kameras am Eingang. An keiner dieser Positionen liegt eine Steckdose.

PoE-Bedarf: 3 Access Points × 14 W + 8 Telefone × 6 W + 2 Kameras × 9 W = 42 + 48 + 18 = 108 W. Mit dem Zuschlag von 20 % landen wir bei 130 W, gewählt wird ein 24-Port-PoE+-Switch mit rund 180 W Budget.

Kostenrahmen: PoE-Switch 24 Port 300 bis 800 €, Einrichtung inklusive VLAN-Trennung 200 bis 300 €. Die Verkabelung rechnen wir getrennt, für ein Kleinbüro mit 5 bis 10 Dosen liegt sie bei 900 bis 2.000 €. Ausführlichere Zahlen stehen im Beitrag zu Netzwerkverkabelung-Kosten.

Der Punkt, auf den es bei der Planung ankommt: Das PoE-Budget vorher ausrechnen und nicht beim Einbau schätzen. Ein Switch, dessen Budget im zweiten Jahr nicht mehr reicht, wird ein zweites Mal bezahlt.

Wann PoE keinen Sinn ergibt

Desktop-PCs und Laptops brauchen deutlich mehr als 90 Watt. PoE reicht nicht.

Strecken über die Kanallänge hinaus. Jenseits von 100 Metern gilt weder für Daten noch für Strom eine Zusage. Bei Grenzfällen setzen wir einen Switch als Zwischenstation oder Glasfaser mit einem lokalen Netzteil am Endpunkt ein. PoE-Extender (ca. 50 bis 100 Euro) sind eine Notlösung, weil jede zusätzliche Steckverbindung eine Störstelle ist.

Industrieumgebungen mit eigener Stromversorgung. Wo ohnehin 230-V-Strom direkt am Gerät liegt und kein Netzwerkkabel gezogen wird, bringt PoE keinen Vorteil.

Enge Netzwerkschränke ohne Lüftung. Switches mit vielen aktiven PoE-Ports setzen Wärme frei. In einem geschlossenen Schrank ohne Belüftung sollte das in der Planung berücksichtigt werden.

Häufige Fragen zu PoE

Kann ein normaler Switch PoE-Geräte beschädigen? Nein. Nicht-PoE-Switches erkennen keine PoE-Geräte und liefern schlicht keinen Strom. Das Gerät bleibt offline, ein Schaden entsteht nicht.

Geht PoE auch mit alten Kabeln (Cat5e)? Ja, Cat5e überträgt PoE+ innerhalb der 100-m-Kanallänge problemlos. Cat6a ist trotzdem empfehlenswert, weil es bei höheren Leistungen weniger Wärme erzeugt und für spätere 10-Gbit-Upgrades taugt.

Wir haben schon einen Switch ohne PoE. Muss der komplett ersetzt werden? Nicht zwingend. Einen PoE-Injektor können Sie zwischen Switch und Kabel schalten. Das kostet 30 bis 80 Euro pro Port. Ab vier bis fünf Geräten ist ein PoE-Switch günstiger und sauberer.

Kann ich PoE nutzen, um eine Türöffner-Anlage zu steuern? Leser und Steuergerät über PoE zu versorgen, funktioniert gut. Der eigentliche Türöffner braucht meist eine separate Leitung mit eigener Stromversorgung. Und zur Erwartungshaltung: Ein elektrischer Türöffner gibt die Falle frei, die Tür muss anschließend noch aufgedrückt werden. Wir klären das in der Planung.

Wie viel Watt kommen am Ende eines langen Kabels an? Das hängt von Länge und Querschnitt ab. Bei einer Kamera mit 15 W über 30 m ist der Verlust vernachlässigbar. Bei einem 90-W-Gerät am Ende einer voll ausgereizten Strecke kann er im niedrigen zweistelligen Wattbereich liegen. Bei Grenzfällen rechnen wir den Spannungsabfall vorher durch. Mehr dazu im Beitrag zur maximalen Kabellänge.


Wir planen und installieren PoE-Netzwerke für Büros, Arztpraxen und Gewerbeobjekte in Bonn, Köln, Düsseldorf und sieben weiteren NRW-Städten. Wenn Sie wissen wollen, welcher Switch für Ihr Vorhaben passt und was das kostet, kontaktieren Sie uns. Rückmeldung innerhalb eines Werktags, Angebot nach Vor-Ort-Aufmaß.

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