Netzwerktechnik

PoE erklärt: Ein Kabel für Strom und Daten

Stahlbergen Team12. Mai 20253 min Lesezeit

Sie wollen eine IP-Kamera an der Decke montieren, aber es gibt dort keine Steckdose. Genau dafür gibt es PoE — Power over Ethernet. Ein einziges Netzwerkkabel liefert Daten und Strom gleichzeitig.

Wie funktioniert PoE?

Ein PoE-fähiger Switch oder Injektor speist Gleichstrom über die unbenutzten Adern des Netzwerkkabels ein. Das Endgerät (Kamera, Access Point, Telefon) erkennt die Stromversorgung automatisch und zieht sich, was es braucht.

Nicht-PoE-Geräte nehmen keinen Schaden — der Switch erkennt, ob das angeschlossene Gerät PoE unterstützt.

Die drei PoE-Standards

StandardLeistung pro PortTypische Geräte
PoE (802.3af)bis 15,4 WVoIP-Telefone, einfache Kameras
PoE+ (802.3at)bis 30 WAccess Points, PTZ-Kameras, Türstationen
PoE++ (802.3bt)bis 60–100 WLED-Beleuchtung, High-End-Access-Points

Für die meisten Installationen reicht PoE+ (802.3at). Es versorgt WLAN Access Points, IP-Kameras und Türsprechanlagen problemlos.

Welche Geräte nutzen PoE?

  • WLAN Access Points — der häufigste Einsatzfall. Kein Elektriker nötig, einfach Kabel zur Decke und fertig.
  • IP-Kameras — besonders an Außenwänden und Decken, wo Steckdosen fehlen.
  • VoIP-Telefone — kein Netzteil auf dem Schreibtisch, aufgeräumter Arbeitsplatz.
  • Türsprechanlagen — Strom und Netzwerk über ein Kabel zur Haustür.
  • Zutrittskontroll-Leser — RFID-Leser an der Tür brauchen Strom und Netzwerk.

Was kostet PoE?

Ein PoE+-Switch mit 8 Ports kostet 100 bis 250 Euro, mit 16 Ports 200 bis 500 Euro, mit 24 Ports 300 bis 800 Euro. Das Kabel selbst muss nicht speziell sein — normales Cat6a reicht.

Die Ersparnis: Sie brauchen keine zusätzlichen Steckdosen und Netzteile an schwer zugänglichen Stellen. Bei einer Installation mit 10 Kameras oder Access Points sparen Sie schnell 500 bis 1.000 Euro an Elektrikerkosten.

PoE-Budget berechnen

Wichtig: Der Switch hat ein Gesamtbudget für alle Ports zusammen. Ein 8-Port-PoE+-Switch hat typischerweise ein Budget von 120 bis 150 Watt. Wenn jeder Access Point 15 Watt zieht, können Sie 8 bis 10 Geräte versorgen.

Rechnen Sie die Leistung aller geplanten PoE-Geräte zusammen und wählen Sie einen Switch mit ausreichend Budget — plus 20 % Reserve für zukünftige Erweiterungen.

Wann PoE keinen Sinn ergibt

  • Desktop-PCs und Laptops: Brauchen deutlich mehr als 100 Watt — PoE reicht nicht.
  • Strecken über 90 Meter: PoE verliert über lange Kabelstrecken an Leistung. Bei Grenzfällen auf PoE-Extender zurückgreifen oder Glasfaser + lokales Netzteil nutzen.
  • Industrieumgebungen mit eigener Stromversorgung: Wo ohnehin Strom verlegt wird, bringt PoE keinen Vorteil.

Fazit

PoE ist kein Luxus, sondern Standard in jeder modernen IT-Installation. Wenn Sie ein Netzwerk planen, setzen Sie von Anfang an auf PoE-fähige Switches — die Mehrkosten sind gering, die Flexibilität enorm.

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