WLAN in der Arztpraxis: Patientendaten, Gäste-WLAN und DSGVO
Patienten erwarten WLAN im Wartezimmer. Gleichzeitig verarbeitet Ihre Praxis-Software hochsensible Gesundheitsdaten. Wenn beide Netze nicht sauber getrennt sind, haben Sie ein ernstes Problem — rechtlich und technisch.
Warum Trennung Pflicht ist
Patientendaten gehören zu den besonders schutzbedürftigen Daten nach Art. 9 DSGVO. Die KBV (Kassenärztliche Bundesvereinigung) schreibt in ihrer IT-Sicherheitsrichtlinie klare technische Mindestanforderungen vor:
- Das Praxisnetz muss vom Internet und von Gäste-Zugängen physisch oder logisch getrennt sein
- Patientendaten dürfen nicht über ungesicherte Netzwerke erreichbar sein
- WLAN-Zugänge müssen verschlüsselt und authentifiziert sein
So trennen Sie Praxis- und Gästenetz
1. VLAN-Segmentierung
Die sauberste Lösung: Zwei getrennte VLANs auf demselben Switch und denselben Access Points.
- VLAN 10 (Praxis): PVS, Kartenlesegeräte, Drucker, Praxis-WLAN (WPA3)
- VLAN 20 (Gäste): Separates WLAN mit eigenem Internetzugang, ohne Zugriff auf VLAN 10
Beide Netze laufen über dieselbe Hardware, sind aber auf Netzwerkebene vollständig voneinander isoliert. Ein Gerät im Gäste-WLAN kann keine Geräte im Praxisnetz sehen oder erreichen.
2. Captive Portal für Gäste
Ein Captive Portal zeigt Patienten beim Verbinden eine Anmeldeseite mit Ihren Nutzungsbedingungen und dem DSGVO-Hinweis. Erst nach Zustimmung wird der Internetzugang freigeschaltet.
3. Bandbreitenbegrenzung
Begrenzen Sie die Bandbreite im Gäste-WLAN (z. B. 10 Mbit/s), damit ein Patient mit Netflix-Stream nicht die Videokonferenz im Behandlungsraum lahmlegt.
Häufige Fehler in Arztpraxen
- Fritz!Box als einziger Router — keine echte VLAN-Trennung möglich
- Gäste-WLAN auf der Fritz!Box — technisch getrennt, aber nicht auf Praxis-Niveau sicher
- Praxis-PCs im selben WLAN wie Gäste — ein Albtraum für den Datenschutz
- Kein Monitoring — niemand merkt, wenn etwas schiefläuft
Was brauchen Sie konkret?
Für eine typische Arztpraxis mit 3-5 Behandlungsräumen:
- 1 managed Switch mit VLAN-Unterstützung (ca. 200 – 400 €)
- 2-3 Access Points mit Multi-SSID (Praxis + Gäste) (je 150 – 300 €)
- 1 Router/Firewall mit VLAN-Routing und Firewall-Regeln
- Netzwerkkabel zu jedem AP
Gesamtkosten: ca. 1.500 bis 3.000 Euro — einmalig, dafür rechtssicher.
Checkliste für Praxis-WLAN
- Praxis- und Gästenetz auf VLAN-Ebene getrennt
- Praxis-WLAN mit WPA3 und starkem Passwort
- Gäste-WLAN mit Captive Portal und DSGVO-Hinweis
- Bandbreitenbegrenzung im Gästenetz
- Firewall-Regeln: Kein Zugriff von Gäste-VLAN auf Praxis-VLAN
- Regelmäßige Updates aller Netzwerkkomponenten
- Dokumentation der Netzwerkarchitektur (für Datenschutzaudit)
Wir richten WLAN in Arztpraxen in Bonn, Köln und ganz NRW DSGVO-konform ein. Von der Planung bis zur Dokumentation für Ihren Datenschutzbeauftragten — sprechen Sie uns an — die Erstberatung ist kostenlos und unverbindlich.