WLAN

Wie viele Access Points brauche ich? So berechnen Sie den Bedarf

Zu wenige Access Points bedeuten Funklöcher, zu viele bedeuten Interferenzen und unnötige Kosten. So berechnen Sie die richtige Anzahl für Ihr Büro, Ihre Praxis oder Ihr Einfamilienhaus.

Serdar Yildirim· Technische Leitung7 min Lesezeit
Großraumbüro mit zahlreichen Arbeitsplätzen und WLAN-Bedarf.
Foto: TECNIC Bioprocess Solutions auf Unsplash

Ein gut geplantes Büro-WLAN braucht einen Access Point pro 120 bis 200 m² in Neubau und Trockenbau. Hinter Massivwänden und im Altbau sinkt der Wert auf 80 bis 120 m² pro AP, in dicht belegten Räumen zählt nicht die Fläche, sondern die Nutzerzahl: ein AP je 25 bis 35 Nutzer. Wände, Stockwerke und Gerätedichte verschieben das Ergebnis erheblich. Und mehr ist nicht automatisch besser: Zu viele APs auf demselben Kanal stören sich durch Co-Channel-Interferenz genauso wie zu wenige.

Die Kurzformel

  • Neubau und Trockenbau: ein Access Point pro 120 bis 200 m²
  • Altbau und Massivwände: ein Access Point pro 80 bis 120 m²
  • Dichte Belegung (Schulungs-, Konferenz- und Warteräume): ein Access Point je 25 bis 35 Nutzer

Welcher der Werte zählt: der, der die höhere AP-Zahl ergibt. Wenn auf 100 m² 40 Menschen sitzen, bestimmt die Nutzerdichte die AP-Anzahl, nicht die Fläche. Wenn fünf Personen auf 500 m² verteilt sind, ist die Fläche der Engpass.

Das sind Planungswerte, keine Garantien. Die tatsächliche Anzahl hängt von vier Faktoren ab.

Wer es genau wissen will, ohne selbst zu rechnen: Eine professionelle WLAN-Planung mit Ausleuchtung simuliert die AP-Anzahl für Ihren Grundriss, bevor das erste Gerät gekauft ist.

Faktor 1: Wände und Bausubstanz

Dämpfung pro Hindernis im 5-GHz-Band, das ist der Bereich, in dem moderne Büros hauptsächlich arbeiten:

MaterialDämpfung bei 5 GHzAuswirkung
Glas2 bis 4 dBGering
Trockenbauwand3 bis 5 dBGering
Ziegel8 bis 12 dBMittel
Beton15 bis 25 dBHoch
Stahlbeton mit Bewehrung25 bis 35 dBSehr hoch
Metallbeschichtetes Glas25 bis 35 dBSehr hoch

In einem Großraumbüro ohne Wände deckt ein AP die volle 200 m² ab. In einem Gründerzeitaltbau mit 50 cm Außenwand und tragenden Innenwänden kann dagegen jeder größere Raum seinen eigenen AP brauchen: Zwei Massivwände im Signalweg summieren sich auf 30 bis 50 dB, und damit ist die Verbindung praktisch beendet.

Faktor 2: Anzahl der Geräte

Ein Access Point bedient 30 bis 50 Geräte gleichzeitig zuverlässig. Technisch packen die meisten Modelle bis 200, aber dann sinkt der Durchsatz pro Gerät spürbar. Realistisch sind die 30 bis 50 die richtige Planungsgröße.

Ein Mitarbeiter hat heute 2 bis 3 Geräte: Laptop, Smartphone, Tablet. In einem Büro mit 20 Mitarbeitern rechnen Sie also mit 40 bis 60 Geräten.

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Dazu kommen die Geräte, die niemand mitzählt: Drucker, VoIP-Telefone, Smart-TV im Besprechungsraum, IoT-Sensoren, Smart Locks, Kameras. In einer durchschnittlich digitalisierten 20-Personen-Firma stecken da noch einmal 15 bis 25 Geräte mehr im WLAN.

Faktor 3: Nutzungsprofil

Für die Bandbreitenplanung rechnen wir mit zwei Werten:

  • 5 bis 10 Mbit/s pro Nutzer im normalen Büroalltag (E-Mail, Web, Cloud-Anwendungen, Chat)
  • 2 bis 4 Mbit/s zusätzlich pro Teilnehmer einer HD-Videokonferenz

Sonderfälle rechnen wir separat: Wer täglich große Videodateien oder CAD-Modelle in die Cloud schiebt, braucht deutlich mehr, und zwar am besten per Kabel statt per WLAN.

Ein Wi-Fi-6-AP mit 1.200 Mbit/s Brutto-Datenrate liefert real etwa 400 bis 600 Mbit/s. Bei 20 gleichzeitigen Nutzern sind das 20 bis 30 Mbit/s pro Person, also ein Vielfaches des Planungswerts. Der Engpass eines Büro-WLANs ist deshalb fast nie die Luftschnittstelle, sondern die Abdeckung und der Internetanschluss.

Faktor 4: Stockwerke

WLAN durch Decken funktioniert deutlich schlechter als durch Wände. Eine Stahlbetondecke mit Bewehrung dämpft 25 bis 35 dB. Praktische Konsequenz: ein AP pro Etage ist Pflicht, auch wenn die Fläche allein das nicht verlangt.

Im Einfamilienhaus mit 120 m² auf zwei Stockwerken brauchen Sie zwei APs, einen oben, einen unten. Ein einziger AP im Erdgeschoss-Flur kommt im Schlafzimmer im Obergeschoss kaum noch an.

Wie viele Access Points fürs Einfamilienhaus?

Das ist die Frage, die uns am häufigsten gestellt wird. Antwort:

  • 80 bis 120 m², eine Etage: Ein guter AP reicht. Mesh ist nicht nötig.
  • 120 bis 180 m², zwei Etagen: Zwei APs, einer pro Etage. Standardfall.
  • 180 bis 250 m², drei Etagen oder Keller-Ausbau: Drei APs.
  • Altbau über 200 m² mit Massivwänden: Drei bis vier APs.

Mesh oder verkabelte APs? Wenn Sie irgendwo verkabeln können, auch nur einen Backbone zwischen den Etagen, dann immer verkabelt mit echten Access Points (UniFi U6 Lite oder U6 Pro). Wenn kein Kabel möglich ist, bindet der UniFi U6 Mesh einen Bereich per Funk an. Der Funk-Backhaul kostet allerdings an jedem Hop mindestens die Hälfte der Bandbreite. Wie so ein Termin abläuft, steht unter WLAN-Planung in Bonn.

Rechenbeispiele für Büros, Praxen und Lager

So sieht die Rechnung mit den Planungswerten von oben aus:

ObjektFläche und BelegungRechnungEmpfehlung
Büro Trockenbau200 m², 15 Mitarbeiter200 / 120 bis 200 = 1 bis 2 APs, 30 Geräte2 APs (einer wäre knapp)
Büro gemischte Wände500 m², 40 Mitarbeiter500 / 120 = 4 APs, 100 Geräte4 APs
Büro mit Konferenzräumen1.000 m², 80 Mitarbeiter1.000 / 120 bis 200 = 5 bis 8 APs, plus 1 AP pro dicht belegtem Raum7 bis 9 APs, Site Survey vorher
Arztpraxis Massivwände300 m², 5 Behandlungsräume300 / 80 bis 120 = 3 bis 4 APs, plus Wartezimmer mit Gäste-WLAN3 APs
Gastraum mit Gäste-WLAN200 m², 80 SitzplätzeNutzerdichte entscheidet: 80 / 25 bis 35 = 3 APs2 APs Gastraum, 1 AP für Kasse und Küche
Hotel, 30 Zimmer, 4 EtagenFlure und Lobby1 AP pro Etagenflur, plus Lobby, bei Massivwänden 1 AP je 4 Zimmer6 bis 12 APs
Lager mit Stahlregalen800 m²Regale dämpfen und reflektieren, Gänge brauchen eigene APs6 bis 8 APs, Deckenmontage

Typischer Fehler: Access Points zu nah beieinander

Mehr ist nicht automatisch besser. Access Points auf demselben Kanal stören sich gegenseitig (Co-Channel Interference). Wir haben schon Installationen von zwölf auf sechs APs reduziert, und das WLAN war danach spürbar schneller. Der Planungswert: mindestens 5 bis 8 Meter Abstand zwischen APs und eine saubere Kanalplanung.

Welche Access Points wir empfehlen

Wir planen und installieren auf UniFi. Der Controller läuft auf einem UniFi Cloud Gateway im Gebäude, es gibt keine Lizenz- oder Abogebühr, und alle APs hängen an derselben Verwaltung.

  • UniFi U6 Lite, rund 110 €. Wi-Fi 6, für Wohnungen, Einzelräume und kleine Büros.
  • UniFi U6 Pro, rund 200 €. Wi-Fi 6 auf 2,4 und 5 GHz, unsere Standardempfehlung für Büros bis 30 Mitarbeiter.
  • UniFi U7 Pro, rund 320 €. Wi-Fi 7 mit zusätzlichem 6-GHz-Band, sinnvoll bei hoher Dichte und aktueller Client-Hardware.
  • UniFi U6 In-Wall, rund 160 €. Sitzt in der Netzwerkdose, versorgt Zimmer per Kabel und WLAN, praktisch in Hotels und Praxen.
  • UniFi U6 Mesh, rund 200 €. Für Bereiche ohne Kabelweg.
  • UniFi U7 Outdoor, rund 220 €. Hof, Lager, Außenbereich.

Zur Einordnung der Standards: Wi-Fi 6 funkt auf 2,4 und 5 GHz. Das 6-GHz-Band gibt es erst mit Wi-Fi 6E und Wi-Fi 7, also der U7-Serie. Wer ein Angebot für "Wi-Fi 6 mit 6 GHz" bekommt, sollte nachfragen.

Consumer-Hardware wie Repeater und Mesh-Sets aus dem Elektromarkt funktioniert für Einzelplatz-Szenarien, fällt aber bei vielen Geräten auseinander und kann kein VLAN. Im Geschäftsumfeld raten wir davon ab.

Wann brauchen Sie eine professionelle Ausleuchtung?

Planungswerte reichen für Standardfälle. Eine WLAN-Ausleuchtung (Site Survey) lohnt sich bei:

  • mehr als 500 m² Fläche
  • mehreren Stockwerken
  • massiver Bausubstanz (Beton, Stahl, Brandschutztüren)
  • hoher Nutzerdichte (Konferenzräume, Veranstaltungen, Schulungsräume)
  • kritischen Anwendungen (VoIP, Videokonferenzen, Medizintechnik, Lagerlogistik)
  • Denkmalschutz, wo Wandmaterial unklar ist und Bohrungen restriktiv sind

Bei einer Ausleuchtung messen wir die Signalstärke vor Ort, simulieren AP-Positionen mit Werkzeugen wie Ekahau oder NetSpot und liefern einen Plan mit belastbarer Abdeckung. In Loft-Büros mit Sichtbeton und Stahlträgern liegt das Ergebnis der Messung regelmäßig über dem, was die Flächenrechnung vorschlägt. Genau deshalb messen wir vorher.

Wir planen WLAN-Infrastruktur für Büros, Praxen und Gewerbe in Bonn, Köln und weiteren NRW-Städten; die WLAN-Planung in Düsseldorf deckt Loft-Flächen im Medienhafen genauso ab wie Gründerzeitbüros in Friedrichstadt. Auch fürs Einfamilienhaus, wenn das WLAN partout nicht ins Schlafzimmer kommt. Ob schnelle Einschätzung oder Ausleuchtung, kontaktieren Sie uns: Rückmeldung innerhalb eines Werktags, das Angebot folgt nach dem Vor-Ort-Aufmaß.

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