Netzwerktechnik

Cat6a oder Cat7? Die klare Antwort aus der Praxis

Cat6a oder Cat7? In den meisten Fällen reicht Cat6a. Cat7 kostet mehr und hat ein Stecker-Problem, das kaum jemand kennt. Vergleich mit Preisen, Schirmungsarten und einer Beispielrechnung.

Serdar Yildirim· Technische Leitung6 min Lesezeit
Nahaufnahme eines Netzwerk-Testers auf Cat6a-Verkabelung.
Foto: Gavin Allanwood auf Unsplash

Cat6a kostet pro Meter 30 bis 80 Cent weniger als Cat7 und liefert dieselben 10 Gbit/s über 100 Meter. Der Preisunterschied summiert sich bei einem Büro mit 30 Dosen auf 225 bis 600 Euro Mehrkosten für Cat7, ohne messbaren Vorteil. Dazu kommt das Stecker-Problem: Cat7 wird fast immer mit RJ45-Steckern installiert, und für RJ45 ist die Kategorie nicht spezifiziert.

Die kurze Antwort

Cat6a ist die Standardempfehlung. Cat7 kostet mehr, bringt in der Gebäudeverkabelung keinen nutzbaren Vorteil und hat einen praktischen Nachteil. Wer uns nach Cat7 fragt, bekommt genau diese Antwort. Wir verlegen in Bonn, Köln und Düsseldorf Cat6a, egal ob Wohnhaus, Praxis oder Büro.

Sie planen gerade eine Verkabelung? Ein Angebot für Ihre Netzwerkverkabelung erstellen wir nach dem Vor-Ort-Aufmaß, und es erspart Ihnen die Cat7-Diskussion mit dem Elektriker.

Was ist der technische Unterschied?

EigenschaftCat6aCat7
Geschwindigkeit10 Gbit/s10 Gbit/s
Frequenz500 MHz600 MHz
AbschirmungF/UTP oder S/FTPS/FTP (immer geschirmt)
Max. Länge90 m + 10 m Patch90 m + 10 m Patch
SteckerRJ45 (Standard)GG45 / TERA, kein RJ45
Zertifiziert nachISO/IEC 11801, EN 50173 Class EAISO/IEC 11801, EN 50173 Class F
Preis pro Meter (Markenware)1,00 bis 1,40 €1,30 bis 2,20 €

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Beide Kabel liefern identische 10 Gbit/s über die gleiche Distanz. Cat7 hat 100 MHz mehr Bandbreite, was bei keinem aktuellen Netzwerkprotokoll eine Rolle spielt. 10GBASE-T arbeitet bis 500 MHz, Switches und Netzwerkkarten sind darauf ausgelegt. Höhere Datenraten über Kupfer laufen über Cat8 und sind eine Rechenzentrums-Angelegenheit.

Das Stecker-Problem bei Cat7

Cat7 ist für GG45- und TERA-Stecker spezifiziert, nicht für RJ45. GG45 ist ein RJ45-kompatibler Steckverbinder mit zusätzlichen Kontakten in den Ecken, der die Cat7-Frequenzen hält. TERA ist ein eigener, deutlich größerer Stecker. Beides spielt in der Realität kaum eine Rolle: zertifizierte GG45-Komponenten bieten nur wenige Hersteller an, TERA praktisch niemand mehr.

In der Praxis wird Cat7-Kabel deshalb fast immer mit normalen RJ45-Steckern installiert. In dem Moment verlässt die Strecke die Cat7-Spezifikation und ist als Kanal nach Class EA zu bewerten, also wie Cat6a. Sie zahlen mehr für das Kabel und nutzen es wie Cat6a. Deshalb ist Cat7 auch kein Argument für spätere Aufrüstungen: Reserven hat nur ein Kanal, der komplett nach einer Klasse aufgebaut und gemessen ist, und das ist bei RJ45 der Cat6a-Kanal.

Schirmung erklärt: F/UTP, S/FTP, U/UTP

Die Buchstabenkombinationen verwirren oft. Was sie bedeuten:

  • U/UTP: komplett ungeschirmt. Cat5e und einfache Cat6. Reicht für 1 Gbit/s, nicht für 10 Gbit/s über die volle Länge.
  • F/UTP: Außenschirmung als Folie um alle Adernpaare. Für 10 Gbit/s in Büroumgebungen ausreichend.
  • S/FTP: Geflecht außen, Folie um jedes Adernpaar einzeln. Beste Schirmung, verfügbar als Cat6a und als Cat7. Pflicht in EMV-belasteten Bereichen.
  • U/FTP: Folie um jedes Adernpaar, kein Außenschirm. Bei Patchkabeln im Büro üblich.

Für 10 Gbit/s im Büro reicht Cat6a F/UTP. In einer Industriehalle mit Frequenzumrichtern gehört Cat6a S/FTP hin. Im Wohnhaus reicht Cat6a F/UTP.

Was kostet der Unterschied?

Pro Meter Verlegekabel liegt der Preisunterschied bei 0,30 bis 0,80 Euro. Bei einem Büro mit 30 Dosen und durchschnittlich 25 Metern Kabel pro Dose sind das 225 bis 600 Euro Mehrkosten ohne Gegenwert.

Wer im Großgebinde (305-m-Trommel Markenware) bestellt, zahlt aktuell:

  • Cat6a F/UTP, 305 m: 320 bis 380 €
  • Cat6a S/FTP, 305 m: 380 bis 460 €
  • Cat7 S/FTP, 305 m: 480 bis 620 €

Im Baumarkt sind Cat6a-Trommeln günstiger zu haben (180 bis 250 €), aber die Qualität ist häufig nicht durchgängig auf den vollen Cat6a-Standard zertifiziert. Bei einer Messung mit einem Kabeltester wie dem Fluke DSX fallen viele dieser Kabel in der Rückflussdämpfung durch.

Wann die Schirmung wirklich zählt

Es gibt Umgebungen, in denen die Schirmung den Unterschied macht. Zwei typische Fälle:

  1. Produktionshalle mit Frequenzumrichtern. Stark gestörte Umgebung, Kabelwege nahe an großen Motoren. Hier zählt jedes zusätzliche Dezibel Schirmungsmaß.
  2. Lange Strecken parallel zu Starkstromleitungen. Wenn sich Trennabstände baulich nicht einhalten lassen, hilft der durchgehende Schirm.

Unsere Lösung in diesen Fällen ist nicht Cat7, sondern Cat6a S/FTP mit sauber aufgelegtem Schirm am Patchfeld und an der Dose. Das ist normkonform mit RJ45, messbar und wartbar. Ein Cat7-Kabel am RJ45-Stecker wäre in derselben Umgebung physikalisch ähnlich geschirmt, aber eben keine spezifizierte Strecke.

Für Büros, Arztpraxen, Mehrfamilienhäuser und Eigenheime ist die Frage ohnehin akademisch: Dort ist Cat6a die richtige Antwort.

Was ist mit Cat8?

Cat8 liefert 25/40 Gbit/s, ist aber auf 30 Meter begrenzt und für kurze Verbindungen im Rechenzentrum konzipiert, typischerweise Top-of-Rack-Switch zu Server. Cat8.1 nutzt RJ45, Cat8.2 GG45 oder TERA. Für Gebäudeverkabelung ist Cat8 nicht geeignet, weil Sie die 30-Meter-Beschränkung in einem Bürogebäude sofort überschreiten.

Wer in einem Gebäude mehr als 10 Gbit/s braucht, etwa für einen Backbone zwischen Stockwerken, zieht Glasfaser. OM4-Multimode bis 100 m, OM5 bis 150 m, OS2-Singlemode mehrere Kilometer. Glasfaser ist immun gegen elektromagnetische Störungen, dünner als Kupferkabel und langfristig billiger.

Beispielrechnung: Büro mit 30 Dosen

Ausgangslage: 30 Netzwerkdosen, durchschnittlich 25 m Kabelweg pro Dose, also rund 750 m Verlegekabel.

  • Cat6a S/FTP Markenware: rund 900 bis 1.050 € Material
  • Cat7 S/FTP Markenware: rund 1.125 bis 1.650 € Material
  • Differenz: 225 bis 600 €, aufgelegt wird in beiden Fällen auf RJ45

Der Aufpreis für Cat7 landet also vollständig im Kabelmantel, ohne dass die Strecke danach anders gemessen oder anders genutzt wird. Dieselben 225 bis 600 € in ein besseres Patchfeld, in ordentliche Beschriftung und in ein vollständiges Messprotokoll gesteckt, bringen über die Lebensdauer deutlich mehr.

Spar-Reihenfolge: was wirklich Geld kostet

In dieser Reihenfolge prüfen, wenn das Budget knapp ist:

  1. Cat6a statt Cat7 spart 30 bis 40 % der Materialkosten ohne Funktionsverlust.
  2. Markenkabel im Großgebinde statt Baumarkt-Trommel: günstiger pro Meter und zertifiziert.
  3. F/UTP statt S/FTP im Wohngebäude: weitere 15 bis 20 % Materialersparnis.
  4. Eigenleistung bei der Vorbereitung (Kabelkanäle, Durchbrüche), nicht beim Auflegen der Dosen.
  5. Glasfaser nur wo nötig, nicht überall. Backbone ja, Etagenverkabelung nein.

Unsere Empfehlung

Für Büros, Arztpraxen, Wohnhäuser und Gewerbegebäude empfehlen wir Cat6a S/FTP von Telegärtner, R&M, Dätwyler oder Belden. Sie bekommen 10 Gbit/s, volle RJ45-Kompatibilität und sparen Geld. Für Planungen mit einem Horizont von 15 bis 20 Jahren reicht Cat6a technisch aus.

Für Backbone-Strecken zwischen Stockwerken oder Gebäuden setzen wir auf Glasfaser.

Wenn Ihnen jemand Cat7 als Reserve für die nächsten zwanzig Jahre verkaufen will, fragen Sie nach dem Stecker. Lautet die Antwort RJ45, kennen Sie den Rest.

Wir planen und installieren Netzwerkverkabelung für Unternehmen und Privatkunden in Bonn und Köln, als Netzwerktechnik in Düsseldorf und in sieben weiteren NRW-Städten. Wenn Sie eine Verkabelung planen oder eine Zweitmeinung wollen, sprechen Sie uns an. Rückmeldung innerhalb eines Werktags, Angebot nach Vor-Ort-Aufmaß.

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