Netzwerktechnik

Wie lang darf ein Netzwerkkabel sein? Längen, Geschwindigkeit und PoE in der Praxis

Wie lang darf ein Netzwerkkabel sein? Die 100-m-Regel, was bei 10 Gbit/s und PoE wirklich gilt und wann Sie auf Glasfaser umsteigen müssen. Mit Längen-Tabelle für Cat5e bis Cat8 und Praxisfällen aus NRW.

Verlegtes blaues Netzwerkkabel mit RJ45-Stecker, das die maximale Länge bestimmt.
Foto: Jordan Harrison auf Unsplash

Ein Kupfer-Netzwerkkabel darf von Gerät zu Gerät 100 m lang sein, nicht mehr. Diese Grenze kommt nicht vom Kabel, sondern von der Zeit, die das Signal für die Strecke braucht. Deshalb hilft ein teureres Cat7 auch nicht weiter als ein Cat6a. Wer mehr Strecke überbrücken muss, braucht keinen besseren Draht, sondern einen Switch oder Glasfaser. Klingt simpel, ist aber der Punkt, an dem die meisten Heimnetze und nicht wenige Gewerbeinstallationen scheitern.

Die 100-Meter-Regel und woher sie kommt

Ethernet über Kupfer ist auf eine sogenannte Kanallänge von 100 m ausgelegt. Aufgeteilt sieht das so aus: maximal 90 m fest verlegtes Installationskabel (das in der Wand) plus zusammen 10 m Patchkabel an den beiden Enden. Macht 100 m von einem aktiven Gerät zum nächsten.

StreckeLänge
Festverlegtes Kabel (Wand, Kanal)max. 90 m
Patchkabel je Seiteje 5 m
Gesamtkanal Gerät zu Gerätmax. 100 m

Diese Grenze gilt unabhängig von der Geschwindigkeit, weil sie aus der Signallaufzeit folgt. Das Signal muss innerhalb eines festen Zeitfensters ankommen und bestätigt werden. Bei mehr als 100 m kommt es zu spät, Kollisionen und Fehler nehmen zu, die Verbindung wird instabil. Kein Kabel der Welt umgeht das.

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Länge gegen Geschwindigkeit: die eigentliche Tabelle

Spannend wird es, wenn hohe Datenraten ins Spiel kommen. Denn die vollen 100 m gelten nicht bei jeder Geschwindigkeit. Hier die nutzbare Länge je Kategorie und Tempo:

Kategorie1 Gbit/s10 Gbit/smehr
Cat5e100 mnicht spezifiziert
Cat6100 m37 – 55 m
Cat6a100 m100 m
Cat7100 m100 mwie Cat6a, besser geschirmt
Cat7a100 m100 m40 Gbit/s bis ca. 50 m
Cat8100 m100 m25/40 Gbit/s bis 30 m (Rechenzentrum)

Die wichtigste Zeile ist Cat6 bei 10 Gbit/s. Cat6 schafft 10-Gbit/s nur auf 37 bis 55 m, abhängig von Störungen und wie sauber die Kabel verlegt sind. Genau deshalb verlegen wir im Neubau grundsätzlich Cat6a und nicht Cat6: Der Aufpreis ist gering, aber Sie behalten die vollen 100 m auch bei 10 Gbit/s. Cat8 wiederum ist eine Rechenzentrums-Kategorie für kurze Strecken zwischen Servern, im Büro oder zu Hause schlicht überflüssig.

PoE: Strom über dasselbe Kabel, aber mit Tücken

Power over Ethernet schickt Strom über dieselben Adern wie die Daten. Die 100-m-Grenze gilt auch hier, aber auf langen Strecken wird der Spannungsabfall zum Thema. Je länger das Kabel und je höher die Leistung, desto mehr Watt gehen unterwegs als Wärme verloren.

PoE-StandardNormLeistung am PortTypischer Verbraucher
PoE802.3af15,4 Weinfache IP-Kamera, Telefon
PoE+802.3at30 WPTZ-Kamera, Access Point
PoE++ (Type 3)802.3bt60 Wstarker AP, Display
PoE++ (Type 4)802.3bt90 WHeizung, viele Geräte

Bei einer Kamera mit 15 W über 30 m macht der Spannungsabfall nichts aus. Bei einem 90-W-Gerät am Ende von 90 m Vollkupfer kommen unter Umständen nur noch 71 W an, weil der Rest auf der Strecke verloren geht. Deshalb gilt: Je mehr Leistung und je länger die Strecke, desto wichtiger ist der Leiterquerschnitt und echtes Vollkupfer. Bei Grenzfällen rechnen wir den Spannungsabfall vorher durch, statt hinterher zu rätseln, warum der Access Point neu startet.

Was nicht funktioniert

Zwei Kabel zusammenstecken, um mehr Länge zu kriegen. Jede zusätzliche Steckverbindung ist eine Störstelle und die 100 m bleiben trotzdem die Grenze. Für mehr Strecke gehört ein Switch dazwischen, der das Signal sauber auffrischt.

CCA-Kabel, um zu sparen. Kupferbeschichtetes Aluminium hat einen deutlich höheren Widerstand als Vollkupfer. Bei Daten geht das in kurzen Strecken noch, bei PoE wird es gefährlich: mehr Spannungsabfall, mehr Wärme, im Extremfall Brandgefahr. Wir verbauen ausschließlich Vollkupfer nach Norm.

Cat7 als Allheilmittel. Cat7 ist besser geschirmt, das hilft in Umgebungen mit starken Störquellen. Mehr Länge oder mehr Tempo gegenüber Cat6a bringt es bei den üblichen Geschwindigkeiten nicht. Wer aus Prinzip Cat7 will, kriegt von uns die ehrliche Antwort, dass Cat6a in den meisten Fällen reicht.

Wenn 100 Meter nicht reichen

Auf größeren Grundstücken und in mehrgeschossigen Gebäuden sind 100 m schnell überschritten. Drei Wege:

  1. Switch als Zwischenstation. Ein kleiner Managed Switch in der Mitte der Strecke teilt sie in zwei Kanäle von je unter 100 m. Günstig, einfach, braucht aber Strom am Standort des Switches.
  2. Glasfaser für die lange Strecke. Zwischen Gebäuden oder Etagen verlegen wir Glasfaser (Multimode bis ein paar hundert Meter, Singlemode für Kilometer) und setzen an den Enden Medienkonverter oder Switches mit SFP-Modul. Das ist die saubere Lösung für den Backbone.
  3. Ethernet-Extender über vorhandene Adern. Wenn nur ein altes Telefonkabel liegt, überbrücken Extender ein paar hundert Meter mit reduzierter Bandbreite. Eine Notlösung, kein Standard.

Für die Anbindung von Kameras und Access Points im Außenbereich ist die Glasfaser-Variante oft die einzig stabile, sobald 100 m überschritten werden. Das planen wir mit, bevor die erste Leitung liegt.

Drei Fälle aus NRW

Köln-Ossendorf, Gewerbehalle 140 m lang. Vom Technikraum bis zur Kamera am hinteren Tor waren es 130 m, also über der Grenze. Lösung: Glasfaser bis zu einem kleinen Outdoor-Switch in der Hallenmitte, von dort Cat6a zu den Kameras. Stabil, volle Leistung. Material 980 €, Verlegung 1.450 €.

Bonn-Beuel, Bürogebäude über vier Etagen. Der Kunde wollte 10 Gbit/s zwischen den Stockwerken über die vorhandenen Cat6-Steigleitungen. Auf den 60 m Steigleitung war das mit Cat6 nicht stabil. Wir haben die Steigleitungen auf Cat6a ertüchtigt, in den Etagen blieb Cat6 für die 1-Gbit/s-Arbeitsplätze liegen. Kein Komplettaustausch. 2.100 € für die Steigleitungen.

Düsseldorf-Rath, Logistikbetrieb mit Hof. Access Points auf dem Hof, 110 m vom Serverraum. Vorher hing dort ein CCA-Kabel vom Baumarkt, der PoE-Access-Point startete unregelmäßig neu. Ursache war der Spannungsabfall auf dem schlechten Leiter. Wir haben Vollkupfer Cat6a verlegt und für die Reststrecke jenseits 100 m einen PoE-fähigen Switch im Hof gesetzt. Seitdem Ruhe. 1.180 € komplett.

Was wir Ihnen raten würden

Merken Sie sich zwei Zahlen: 100 m ist die Grenze, und Cat6a ist die richtige Kategorie für so gut wie jeden Neubau. Cat5e reicht für 1 Gbit/s, ist aber bei einer Neuverlegung falsch gespart, weil Sie sich 10 Gbit/s verbauen. Cat7 und Cat8 lösen Probleme, die im normalen Büro oder Zuhause nicht auftreten.

Bei PoE über lange Strecken zählt der Leiter, nicht die Werbung auf der Verpackung. Vollkupfer nach Norm, ordentlicher Querschnitt, und bei Grenzfällen vorher den Spannungsabfall rechnen. Wie PoE im Detail funktioniert, steht in unserem Beitrag zu Power over Ethernet.

Wir planen und verlegen Netzwerktechnik für Gewerbe und Privat in Köln, Bonn und Düsseldorf, von der einzelnen Dose bis zum Glasfaser-Backbone über mehrere Gebäude. Wenn Sie wissen wollen, was so eine Verkabelung kostet, lesen Sie unseren Beitrag zu Netzwerkverkabelung-Preisen. Erstberatung mit Aufmaß vor Ort ist kostenlos.

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