Netzwerk im Neubau planen: Die komplette Checkliste
Eine Netzwerkdose im Rohbau kostet 20 bis 40 Euro Material, dieselbe Dose nachträglich 200 Euro und mehr. Diese Checkliste zeigt, was Sie festlegen müssen, bevor die Wände zu sind.

Nachträgliches Kabelziehen kostet drei- bis fünfmal so viel wie die Verlegung während der Bauphase, weil jede geschlossene Wand dann Trockenbau und Durchbrüche bedeutet. Eine zusätzliche Dose im Rohbau kostet 20 bis 40 Euro Material, dieselbe Dose nach Fertigstellung 200 Euro oder mehr. Die folgende Checkliste zeigt, was Sie festlegen müssen, bevor die Wände zu sind, plus eine Beispielrechnung für ein Einfamilienhaus.
1. Netzwerkschrank-Standort festlegen
Der zentrale Netzwerkschrank ist das Herz der Installation. Idealer Standort:
- Zentral im Gebäude (kurze Kabelwege zu allen Räumen)
- Trockener, belüfteter Raum (kein ungedämmter Keller, keine Garage)
- Stromanschluss in der Nähe (mindestens eine Doppelsteckdose, besser eine eigene Sicherung)
- Zugang zum Hausanschluss (Glasfaser- oder DSL-Übergabepunkt)
Für ein Einfamilienhaus reicht ein Wandschrank mit 6 bis 9 Höheneinheiten (HE), idealerweise im Hauswirtschaftsraum oder einem Abstellraum. Für Bürogebäude planen Sie einen bodenstehenden Schrank mit 32 bis 42 HE in einem eigenen kleinen Technikraum mit Lüftung.
Was wir oft sehen und nicht empfehlen: der Schrank im unbeheizten Keller. Im Winter kondensiert Feuchtigkeit, im Sommer staut sich die Wärme von Switch und PoE-Speisung. Beides verkürzt die Lebensdauer der Geräte deutlich. Lieber 1 m² Fläche im Erdgeschoss opfern.
2. Dosen pro Raum planen
Faustregeln für Arbeits- und Technikräume:
| Raum | Empfohlene Dosen | Anschlüsse pro Dose |
|---|---|---|
| Büro / Homeoffice | 3 bis 4 | 2 (Doppeldose) |
| Besprechungsraum | 4 bis 6 | 2 |
| Empfang / Anmeldung | 2 bis 3 | 2 |
| Hauswirtschaftsraum / Technik | 3 bis 4 | 2 |
| Außen (Carport, Terrasse, Hof) | 1 bis 2 | 1 |
| Decke (für Access Points) | 1 pro AP-Position | 1 |
| Decke (für IP-Kameras) | 1 pro Kamera | 1 |
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Planen Sie großzügig. Eine zusätzliche Dose während der Bauphase kostet 20 bis 40 Euro Material, nachträglich 200 Euro oder mehr. Eine Doppeldose statt einer Einzeldose ist ein Aufpreis von 5 bis 10 Euro.
Vergessen Sie die Decke nicht. Ein Access Point an der Decke deckt deutlich mehr Fläche ab als einer auf einem Sideboard. Rechnen Sie im Neubau mit Trockenbauwänden 120 bis 200 m² pro Access Point, bei massiven Wänden 80 bis 120 m². Für jede AP-Position gehört eine Cat6a-Dose an die Decke.
Hinweis für Privathaushalte
Dieser Beitrag ist auf Gewerbe- und Praxisobjekte ausgelegt. Wer ein Wohnhaus baut, kann dieselbe Logik anwenden und zusätzlich die Wohnräume berücksichtigen: 2 bis 3 Dosen dort, wo Fernseher und Medientechnik stehen, 1 bis 2 pro weiterem Wohn- oder Schlafraum und 1 in der Küche. Der Grund ist derselbe wie im Büro: Ein zweiter Anschluss an derselben Stelle kostet im Rohbau fast nichts und später ein Vielfaches.
3. Leerrohre einplanen
Leerrohre sind die Versicherung für die Zukunft. Auch wenn Sie heute nicht alle Kabel brauchen, können Sie später nachrüsten, ohne Wände aufzustemmen.
- Mindestdurchmesser: 25 mm (besser 32 mm für mehrere Kabel)
- Sternförmig vom Netzwerkschrank zu jeder Dose, keine Reihenschaltung
- Weite Radien (keine engen Knicke, sonst lassen sich Kabel später nicht einziehen)
- Leere Leerrohre mit Zugdraht versehen
- Auch an die Decke denken: für WLAN Access Points und Überwachungskameras brauchen Sie Dosen an der Decke
Eine Sache, die im Neubau oft fehlt: Leerrohre nach draußen. Eine Cat6a-Verbindung zum Carport für eine Außenkamera oder zur Terrasse für einen Outdoor-Access-Point kostet im Rohbau praktisch nichts, nachträglich ist sie aufwendig. Planen Sie mindestens zwei Leerrohre vom Technikraum nach außen.
4. Das richtige Kabel wählen
Für Neubauten empfehlen wir Cat6a S/FTP als Verlegekabel. Es liefert 10 Gbit/s über die vollen 100 Meter Kanallänge und ist preislich vernünftig (rund 1,20 € pro Meter im Einkauf). Cat7 lohnt sich in den meisten Fällen nicht: Bauherren fragen regelmäßig danach, und die Antwort bleibt dieselbe, weil Cat7 am RJ45-Stecker die eigene Spezifikation verlässt.
Für die Verbindung zwischen Stockwerken, zu einer Nebenhütte oder zwischen Haupthaus und Carport: Glasfaser (OM3 oder OS2). Ziehen Sie Glasfaser in ein eigenes Leerrohr, nicht zusammen mit Kupferkabel. Glasfaser kostet als Verlegekabel rund 0,80 bis 1,80 € pro Meter, dazu 80 bis 150 € für die Konfektionierung pro Ende.
Was nicht ins Verlegekabel gehört: vorkonfektionierte Patchkabel mit Stecker. Verlegekabel ist starrer und wird zugentlastet in der Dose aufgelegt. Patchkabel sind flexibel und gehen vom Patchfeld zum Switch oder von der Wanddose zum Endgerät.
5. PoE einplanen
Power over Ethernet (PoE) versorgt Geräte über das Netzwerkkabel mit Strom. Das vereinfacht die Installation von:
- WLAN Access Points (typisch 12 bis 25 W pro Gerät, PoE+ ausreichend)
- IP-Kameras (5 bis 15 W normal, bis 30 W bei beheizten Außenkameras)
- Türstationen und Leser der Zutrittskontrolle
- VoIP-Telefone
Planen Sie einen PoE-fähigen Switch ein und halten Sie die Kanallänge unter 100 Metern. Für ein Einfamilienhaus reicht ein 8-Port-PoE-Switch wie der UniFi USW-Lite-8-PoE, für gewerbliche Installationen eher 24 oder 48 Ports. Details dazu stehen im Beitrag zu Power over Ethernet.
6. Glasfaser-Hausanschluss vorbereiten
In NRW läuft der Glasfaserausbau mit unterschiedlichem Tempo: Telekom (Region Bonn, Köln), Deutsche Glasfaser (vor allem ländliche Gebiete), NetCologne (Köln und Umland), Vodafone (zunehmend in Düsseldorf).
Auch wenn Sie heute mit DSL einziehen, sollten Sie den Glasfaser-Anschluss baulich vorbereiten:
- Leerrohr vom Straßenanschluss zum Technikraum (Mindestdurchmesser 50 mm, besser 70 mm, weil Mehrfaserkabel dicker sein können als Kupfer)
- Übergabepunkt im Technikraum, idealerweise neben dem Netzwerkschrank
- Patchfeld mit LC-Buchsen vorbereiten oder Platz reservieren
- Standort beim Bauantrag dokumentieren, damit der Tiefbau-Anschluss später nicht über die Auffahrt führt
Ein nachträglich verlegter Glasfaser-Hausanschluss kostet im Schnitt 800 bis 2.500 €, im Rohbau kostet er das Leerrohr und eine halbe Stunde Arbeit.
7. Nicht vergessen
- Glasfaser-Hausanschluss mit dem Netzbetreiber klären
- Potentialausgleich für den Netzwerkschrank
- Beschriftung aller Kabel und Dosen von Anfang an (Etiketten oder ausgedrucktes Schema)
- Messprotokoll nach der Installation erstellen lassen (Cat6a-Messung mit einem Kabeltester wie dem Fluke DSX)
- Blitzschutz für den Netzwerkschrank prüfen, vor allem bei Außenkabeln
- Zutrittskontrolle für Eingangstüren mitplanen (Kabel zur Tür legen)
- USV für Switch und Gateway (nicht für die ganze Netzlast, aber für die Kerngeräte)
Beispielrechnung: Einfamilienhaus-Neubau, 165 m²
Ausgangslage: Homeoffice in zwei Räumen, Vorbereitung für Außenkameras, ein Access Point pro Stockwerk an der Decke, Verkabelung während der Rohbauphase mit vorbereiteten Leerrohren.
- 22 Cat6a-Dosen inklusive Verlegung und Messung: 3.080 bis 3.960 €
- 9-HE-Wandschrank, Patchfeld, Patchkabel: 400 €
- 8-Port-PoE-Switch (UniFi USW-Lite-8-PoE): 150 €
- 2 Decken-Access-Points (UniFi U6 Pro): 350 €
- Glasfaser-Vorrüstung (Leerrohr, Übergabepunkt): 150 €
- Gesamt: 4.130 bis 5.010 €
Derselbe Umfang im fertigen Bestand wäre beim Verlegeaufwand drei- bis fünfmal so teuer, weil Kanäle, Durchbrüche und Nacharbeiten dazukommen. Genau darin liegt der Wert der Planung vor dem Rohbau.
Der teuerste Fehler
Der teuerste Fehler ist, die Netzwerkplanung zu vergessen oder auf später zu verschieben. Sobald Wände geschlossen und Böden verlegt sind, wird jede nachträgliche Verkabelung aufwendig und teuer.
Der zweitteuerste Fehler ist, die Netzwerkplanung nicht zu beauftragen und darauf zu hoffen, dass sie nebenbei mitläuft. Wir sehen regelmäßig Häuser, in denen etwas Cat-Kabel mitgezogen wurde, ohne Patchfeld, ohne Schrank, ohne Plan und teils in Cat5e statt Cat6a. Das funktioniert eine Weile und scheitert an der ersten Erweiterung. Elektriker und Netzwerker haben unterschiedliche Gewerke, und genau deshalb gehören beide früh an einen Tisch.
Wir planen Netzwerke für Neubauten und Renovierungen in Bonn, Köln, Düsseldorf und sieben weiteren NRW-Städten. Idealerweise sprechen Sie uns an, bevor der Rohbau steht, dann stimmen wir die Leerrohr- und Dosenplanung direkt mit Ihrem Elektriker ab. Kontaktieren Sie uns: Rückmeldung innerhalb eines Werktags, Angebot nach Vor-Ort-Aufmaß.
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