Netzwerk im Neubau planen: Die komplette Checkliste
Die Wände sind noch offen, die Leerrohre noch nicht verlegt — und genau jetzt sollten Sie Ihr Netzwerk planen. Denn nachträglich Kabel verlegen kostet drei- bis fünfmal so viel wie während der Bauphase. Hier ist Ihre Checkliste.
1. Netzwerkschrank-Standort festlegen
Der zentrale Netzwerkschrank ist das Herz Ihrer Installation. Idealer Standort:
- Zentral im Gebäude (kurze Kabelwege zu allen Räumen)
- Trockener, belüfteter Raum (kein ungedämmter Keller, keine Garage)
- Stromanschluss in der Nähe (mindestens eine Doppelsteckdose)
- Zugang zum Hausanschluss (Glasfaser/DSL-Übergabepunkt)
Für ein Einfamilienhaus reicht ein kleiner Wandschrank (6 bis 9 HE). Für Bürogebäude planen Sie einen bodenstehenden Schrank (42 HE).
2. Dosen pro Raum planen
Unsere Faustregeln:
| Raum | Empfohlene Dosen |
|---|---|
| Arbeitszimmer / Büro | 3 – 4 |
| Wohnzimmer | 2 – 3 |
| Schlafzimmer | 1 – 2 |
| Küche | 1 – 2 |
| Besprechungsraum | 4 – 6 |
| Serverraum | 6 – 12 |
| Flur / Decke (für Access Points) | 1 pro geplanter AP-Position |
Planen Sie großzügig. Eine zusätzliche Dose während der Bauphase kostet 20 bis 40 Euro Material. Nachträglich kostet sie 200 Euro oder mehr.
3. Leerrohre einplanen
Leerrohre sind Ihre Versicherung für die Zukunft. Auch wenn Sie heute nicht alle Kabel brauchen, können Sie später problemlos nachrüsten.
- Mindestdurchmesser: 25 mm (besser 32 mm für mehrere Kabel)
- Sternförmig vom Netzwerkschrank zu jeder Dose
- Weite Radien (keine engen Knicke — Kabel lassen sich sonst nicht einziehen)
- Leere Leerrohre mit Zugdraht versehen
- Auch an die Decke denken: Für WLAN Access Points und Überwachungskameras brauchen Sie Dosen an der Decke
4. Das richtige Kabel wählen
Für Neubauten empfehlen wir Cat6a S/FTP als Verlegekabel. Es liefert 10 Gbit/s, ist zukunftssicher und preislich vernünftig. Cat7 lohnt sich in den meisten Fällen nicht.
Für die Verbindung zwischen Stockwerken oder Gebäuden: Glasfaser (OM3 oder OS2). Ziehen Sie Glasfaser in ein eigenes Leerrohr — nicht zusammen mit Kupferkabel.
5. PoE einplanen
Power over Ethernet (PoE) versorgt Geräte über das Netzwerkkabel mit Strom. Das vereinfacht die Installation von:
- WLAN Access Points
- IP-Kameras
- Türsprechanlagen
- VoIP-Telefonen
Planen Sie einen PoE-fähigen Switch ein und stellen Sie sicher, dass die Kabelstrecken unter 90 Metern bleiben.
6. Nicht vergessen
- Glasfaser-Hausanschluss mit dem Netzbetreiber klären
- Potentialausgleich für den Netzwerkschrank
- Beschriftung aller Kabel und Dosen von Anfang an
- Messprotokoll nach der Installation erstellen lassen
- Blitzschutz für den Netzwerkschrank prüfen
- Zutrittskontrolle für Eingangstüren mit einplanen (Kabel zur Tür legen)
Der teuerste Fehler
Der teuerste Fehler ist, die Netzwerkplanung zu vergessen oder auf „mache ich später" zu verschieben. Sobald die Wände geschlossen und die Böden verlegt sind, wird jede nachträgliche Verkabelung zum teuren Abenteuer.
Wir planen Netzwerke für Neubauten und Renovierungen in ganz NRW. Idealerweise sprechen Sie uns an, bevor der Rohbau steht — dann können wir die Leerrohr- und Dosenplanung direkt mit Ihrem Elektriker abstimmen. Kontaktieren Sie uns — die Erstberatung ist kostenlos und unverbindlich.