Netzwerk im Neubau planen: Die komplette Checkliste
Eine Netzwerkdose im Rohbau kostet 20 €, dieselbe Dose nachträglich 200 €. Diese Checkliste zeigt, was Sie festlegen müssen, bevor die Wände zu sind. Mit drei realen NRW-Kostenbeispielen.

Nachträgliches Kabelziehen kostet drei- bis fünfmal so viel wie die Verlegung während der Bauphase, weil jede offene Wand dann Trockenbau und Durchbrüche bedeutet. Eine zusätzliche Dose im Rohbau kostet 20 bis 40 Euro Material, dieselbe Dose nach Fertigstellung 200 Euro oder mehr. Die folgende Checkliste zeigt, was Sie vor dem ersten Spatenstich festlegen müssen, plus drei reale Kostenbeispiele aus Bonn, Köln und Düsseldorf.
1. Netzwerkschrank-Standort festlegen
Der zentrale Netzwerkschrank ist das Herz Ihrer Installation. Idealer Standort:
- Zentral im Gebäude (kurze Kabelwege zu allen Räumen)
- Trockener, belüfteter Raum (kein ungedämmter Keller, keine Garage)
- Stromanschluss in der Nähe (mindestens eine Doppelsteckdose, besser eine eigene Sicherung)
- Zugang zum Hausanschluss (Glasfaser oder DSL-Übergabepunkt)
Für ein Einfamilienhaus reicht ein Wandschrank mit 6 bis 9 Höheneinheiten (HE), idealerweise im Hauswirtschaftsraum oder einem ungenutzten Abstellraum. Für Bürogebäude planen Sie einen bodenstehenden Schrank mit 32 bis 42 HE in einem eigenen kleinen Technikraum mit Lüftung.
Was wir oft sehen und nicht empfehlen: der Schrank im unbeheizten Keller. Im Winter kondensiert Feuchtigkeit, im Sommer staut sich die Wärme von Switch und PoE-Injektoren. Wir hatten in Bonn-Beuel einen Fall, bei dem die ganze Switch-Einheit nach drei Sommern den Geist aufgegeben hatte. Lieber 1 m² Wohnfläche im Erdgeschoss opfern.
2. Dosen pro Raum planen
Faustregeln, die wir bei Einfamilienhäusern in NRW seit Jahren anwenden:
| Raum | Empfohlene Dosen | Anschlüsse pro Dose |
|---|---|---|
| Arbeitszimmer / Homeoffice | 3 – 4 | 2 (Doppeldose) |
| Wohnzimmer (TV-Wand) | 2 – 3 | 2 |
| Schlafzimmer | 1 – 2 | 1 – 2 |
| Küche | 1 – 2 | 1 |
| Kinderzimmer | 2 | 1 – 2 |
| Hauswirtschaftsraum / Technik | 3 – 4 | 2 |
| Außen (Carport, Terrasse) | 1 – 2 | 1 |
| Decke (für Access Points) | 1 pro AP-Position | 1 |
| Decke (für IP-Kameras) | 1 pro Kamera | 1 |
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Planen Sie großzügig. Eine zusätzliche Dose während der Bauphase kostet 20 bis 40 Euro Material, nachträglich kostet sie 200 Euro oder mehr. Eine Doppeldose statt einer Einzeldose ist ein Aufpreis von 5 bis 10 Euro. Bei Smart-TVs, Spielekonsolen, Soundbars, AV-Receivern, Streaming-Boxen kommt schnell die zweite Buchse zum Einsatz.
Vergessen Sie die Decke nicht. Ein WLAN-Access-Point an der Decke deckt deutlich mehr Fläche aus als einer auf einem Sideboard. In einem typischen 140-m²-Einfamilienhaus brauchen Sie 1 bis 2 Decken-APs, in einem 200-m²-Haus eher 2 bis 3. Plus je eine Cat6a-Dose pro AP-Position.
3. Leerrohre einplanen
Leerrohre sind Ihre Versicherung für die Zukunft. Auch wenn Sie heute nicht alle Kabel brauchen, können Sie später problemlos nachrüsten, ohne Wände aufzustemmen.
- Mindestdurchmesser: 25 mm (besser 32 mm für mehrere Kabel)
- Sternförmig vom Netzwerkschrank zu jeder Dose, kein Daisy-Chain
- Weite Radien (keine engen Knicke, sonst lassen sich Kabel später nicht einziehen)
- Leere Leerrohre mit Zugdraht versehen
- Auch an die Decke denken: für WLAN Access Points und Überwachungskameras brauchen Sie Dosen an der Decke
Eine Sache, die viele Elektriker im Neubau weglassen: Leerrohre nach draußen. Eine Cat6a-Verbindung zum Carport für eine Außenkamera oder zur Terrasse für einen Outdoor-AP kostet im Rohbau praktisch nichts. Nachträglich ist sie ein Drama. Planen Sie mindestens zwei Leerrohre vom Hauswirtschaftsraum nach außen, eines zum Carport, eines zur Terrasse oder zum Garten.
4. Das richtige Kabel wählen
Für Neubauten empfehlen wir Cat6a S/FTP als Verlegekabel. Es liefert 10 Gbit/s, reicht technisch mindestens bis 2040 und ist preislich vernünftig (rund 1,20 € pro Meter im Einkauf). Cat7 lohnt sich in den meisten Fällen nicht, wir bekommen die Frage von Bauherren regelmäßig und geben immer dieselbe Antwort: Cat6a, fertig.
Für die Verbindung zwischen Stockwerken oder zu einer Gartenhütte oder zwischen Haupthaus und Carport: Glasfaser (OM3 oder OS2). Ziehen Sie Glasfaser in ein eigenes Leerrohr, nicht zusammen mit Kupferkabel. Glasfaser kostet im Verlegekabel rund 0,80 bis 1,80 € pro Meter, dazu 80 bis 150 € für die Konfektionierung pro Ende.
Was nicht ins Verlegekabel gehört: vorkonfektionierte Patchkabel mit Stecker dran. Verlegekabel ist starrer und wird zugentlastet in der Dose aufgelegt. Patchkabel sind flexibel, gehen vom Patchpanel zum Switch oder von der Wanddose zum Endgerät.
5. PoE einplanen
Power over Ethernet (PoE) versorgt Geräte über das Netzwerkkabel mit Strom. Das vereinfacht die Installation von:
- WLAN Access Points (typisch 12 bis 25 W pro Gerät, PoE+ ausreichend)
- IP-Kameras (5 bis 15 W normal, 30 W bei beheizten Außenkameras)
- Türsprechanlagen und Türöffner (Zutrittskontrolle)
- VoIP-Telefone
Planen Sie einen PoE-fähigen Switch ein und stellen Sie sicher, dass die Kabelstrecken unter 90 Metern bleiben. Für ein Einfamilienhaus reicht ein 8-Port-PoE-Switch (z.B. Ubiquiti USW-Lite-8-PoE oder TP-Link TL-SG2210MP). Für gewerbliche Installationen eher 24 oder 48 Ports.
Wer mehr zum Thema wissen will: Wir haben einen eigenen Beitrag zu Power over Ethernet, der Standards und Praxisbeispiele detailliert erklärt.
6. Glasfaser-Hausanschluss vorbereiten
In NRW läuft seit 2022 der flächendeckende Glasfaserausbau, mit unterschiedlichem Tempo: Telekom (Region Bonn, Köln), Deutsche Glasfaser (vor allem ländliche Gebiete), NetCologne (Köln und Umland), Vodafone (zunehmend in Düsseldorf und Aachen).
Auch wenn Sie heute mit DSL einziehen, sollten Sie den Glasfaser-Anschluss baulich vorbereiten:
- Leerrohr vom Straßenanschluss zum Hauswirtschaftsraum (Mindestdurchmesser 50 mm, besser 70 mm, weil Glasfaser-Mehrfaserkabel dicker sein können als Kupfer)
- Übergabepunkt im Technikraum, idealerweise neben dem Netzwerkschrank
- Patchpanel mit LC-Buchsen vorbereiten oder Platz reservieren
- Standort beim Bauantrag dokumentieren, damit der Tiefbau-Anschluss später nicht über die Auffahrt führt
Ein nachträglich verlegter Glasfaser-Hausanschluss kostet im Schnitt 800 bis 2.500 €, im Rohbau quasi nur das Leerrohr und 30 Minuten Arbeit. Das ist die einfachste Versicherung gegen "wir haben eigentlich Glasfaser, aber bei Ihnen wird es schwierig".
7. Nicht vergessen
- Glasfaser-Hausanschluss mit dem Netzbetreiber klären
- Potentialausgleich für den Netzwerkschrank
- Beschriftung aller Kabel und Dosen von Anfang an (Kabel-Etiketten oder ausgedrucktes Schema)
- Messprotokoll nach der Installation erstellen lassen (Cat6a-Zertifizierung mit Fluke DSX-Messgerät)
- Blitzschutz für den Netzwerkschrank prüfen, vor allem bei Glasfaser-Anschlüssen mit Außenkabel
- Zutrittskontrolle für Eingangstüren mit einplanen (Kabel zur Tür legen)
- USV für den Switch und Router (nicht für die ganze Hausnetzwerk-Last, aber für die Kerngeräte)
Drei NRW-Beispiele aus den letzten 12 Monaten
Bonn-Bad Godesberg, Einfamilienhaus 165 m². Bauherr wollte Homeoffice in zwei Räumen, Smart Home im ganzen Haus, Außenkameras, AP an der Decke in jedem Stockwerk. 22 Cat6a-Dosen, ein 9-HE-Wandschrank, Glasfaser-Vorrüstung, 8-Port-PoE-Switch, zwei Decken-APs (UniFi U6-Pro). Endpreis: 5.200 € inkl. Material und Installation während der Rohbauphase. Nachträglich wären 14.000 € realistisch gewesen.
Köln-Sülz, Reihenhaus 120 m². Junges Paar, kein Homeoffice, aber TV-Streaming und PS5 im Wohnzimmer, ein Decken-AP in der Mitte des Hauses. 14 Cat6a-Dosen, 6-HE-Wandschrank im Hauswirtschaftsraum, Glasfaser über NetCologne. Endpreis: 3.400 €.
Düsseldorf-Pempelfort, Altbau-Komplettsanierung 195 m². Sonderfall: alte Stuckdecken sollten erhalten bleiben, Leerrohre liefen über die Wände in den Estrich, Decken wurden nicht angetastet. Trotzdem 26 Dosen plus 3 Decken-Aussparungen für nachträgliche AP-Installation, weil die Wohnzimmerdecke später ohnehin saniert werden sollte. Endpreis: 8.700 €. Hier zahlte sich die enge Abstimmung mit dem Architekten aus, ohne die wäre die Verlegung in den Stuck-Räumen nicht sauber gegangen.
Der teuerste Fehler
Der teuerste Fehler ist, die Netzwerkplanung zu vergessen oder auf "mache ich später" zu verschieben. Sobald die Wände geschlossen und die Böden verlegt sind, wird jede nachträgliche Verkabelung zum teuren Abenteuer.
Der zweitteuerste Fehler ist, die Netzwerkplanung dem Elektriker zu überlassen, der davon nichts versteht. Wir haben in NRW dutzende Häuser gesehen, bei denen der Elektriker "etwas Cat-Kabel mitgezogen" hat, ohne Patchpanel, ohne Schrank, ohne Plan, oft ohne Cat6a sondern Cat5e. Das funktioniert eine Weile und scheitert dann an der ersten Erweiterung.
Wir planen Netzwerke für Neubauten und Renovierungen in ganz NRW. Idealerweise sprechen Sie uns an, bevor der Rohbau steht, dann können wir die Leerrohr- und Dosenplanung direkt mit Ihrem Elektriker abstimmen. Kontaktieren Sie uns, die Erstberatung ist kostenlos und unverbindlich.
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