Netzwerktechnik

Netzwerkverkabelung: 150–350 € pro Dose (Preisbeispiele)

Netzwerkverkabelung kostet 150 bis 350 € pro Dose, inklusive Kabel, Dose, Patchfeld und Installation. Preisbeispiele für Büro, Praxis und Haus. Mit drei NRW-Endpreisen.

Serdar Yildirim· IT-Leiter & Netzwerktechniker6 min Lesezeit
Taschenrechner und Stift auf einer Kostenaufstellung für Netzwerkverkabelung.
Foto: Kelly Sikkema auf Unsplash

Eine Netzwerkverkabelung kostet 150 bis 350 Euro pro Netzwerkdose, komplett inklusive Kabel, Dose, Patchfeld und Installation. Ein Büro mit 12 Dosen liegt bei 3.100 bis 4.600 Euro, ein Einfamilienhaus mit 8 Dosen ab 1.500 Euro, eine 30-Dosen-Etage 5.500 bis 8.000 Euro. Was den Preis am stärksten beeinflusst und wo Sie gezielt sparen können, zeigen die Beispiele und drei NRW-Endpreise unten.

Was beeinflusst den Preis?

1. Kabellänge und -typ

Je weiter die Dose vom Netzwerkschrank entfernt ist, desto mehr Kabel wird benötigt. Cat6a-Kabel kostet im Großgebinde 1,00 bis 1,40 Euro pro Meter (Markenware Telegärtner, R&M, Dätwyler). Cat7 wäre 30–80 Cent teurer, lohnt sich aber in 95 % der Fälle nicht.

2. Verlegeaufwand (der größte Hebel)

Der mit Abstand größte Kostentreiber. Drei typische Szenarien:

  • Neubau mit Leerrohr: ca. 25–40 € Aufwand pro Dose. Kabel durchgezogen, Dose aufgelegt, fertig.
  • Bestand mit Sockelleisten-Kabelkanal: ca. 60–110 € pro Dose. Kanäle montieren, Übergänge sauber führen.
  • Bestand mit Wandschlitz und Verputz: ca. 150–250 € pro Dose. Schlitzen, Kabel verlegen, verputzen, malern.

Im Neubau mit Leerrohren liegen wir bei 150 € pro Dose. Im bewohnten Altbau mit Aufputz-Kanal eher bei 280–350 €. Mit Wandschlitzen und Verputz auch mal 450 € und mehr. Faktor 3 bis 5 zwischen Neubau und nachträglichem Schlitzen.

3. Anzahl der Dosen

Mehr Dosen = niedrigerer Preis pro Dose. Fixkosten wie Anfahrt, Netzwerkschrank, Patchfeld werden auf mehr Anschlüsse verteilt. Faustregel:

Anzahl DosenPreis pro Dose (Neubau)Preis pro Dose (Bestand)
5 Dosen220 – 280 €320 – 420 €
10 Dosen180 – 230 €270 – 340 €
20 Dosen160 – 200 €230 – 290 €
50 Dosen140 – 180 €200 – 250 €
100+ Dosen130 – 160 €180 – 220 €

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4. Netzwerkschrank und aktive Komponenten

Was zusätzlich zur reinen Verkabelung dazukommt:

  • 19"-Wandschrank (9 HE, gut sortiert): 200 – 600 €
  • 24-Port-Patchfeld Cat6a: 60 – 140 €
  • Steckdosenleiste mit Überspannungsschutz: 80 – 150 €
  • Patchkabel-Set 24× 1m Cat6a: 80 – 120 €
  • PoE-Switch 16-Port (Ubiquiti USW-16-PoE): 350 – 480 €
  • PoE-Switch 24-Port managed (Ubiquiti USW-Pro-24-POE): 700 – 900 €
  • PoE-Switch 24-Port Aruba Instant On 1930: 600 – 800 €
  • Firewall/Router (Sophos XGS 107 oder UDM Pro): 400 – 1.300 €

Das sind die typischen Komponenten, die wir in einem mittleren Bürobau verbauen. Ohne managed Switch fehlen VLAN-Trennung und QoS, und ein Gäste-WLAN sauber zu betreiben wird unmöglich.

Preisbeispiele aus der Praxis

Kleines Büro (6 Arbeitsplätze, 12 Dosen)

  • 12 × Cat6a-Dosen mit Verlegung: ca. 2.400 – 3.600 €
  • 19"-Wandschrank + Patchfeld + Patchkabel: ca. 400 €
  • PoE-Switch 16-Port (USW-16-PoE): ca. 350 – 480 €
  • Gesamt: ca. 3.150 – 4.500 €

Arztpraxis (4 Behandlungsräume, 10 Dosen)

  • 10 × Cat6a-Dosen: ca. 2.000 – 3.000 €
  • Netzwerkschrank + Patchfeld: ca. 400 €
  • Managed Switch (für VLAN-Trennung Patient/Praxis/Gäste): ca. 600 – 800 €
  • WLAN Access Points UniFi U6-Pro: ca. 420 €
  • Firewall klein (Sophos XGS 107): ca. 400 – 600 €
  • Gesamt: ca. 3.820 – 5.220 €

Eine Praxis braucht mehr als nur Dosen. KBV-konform aufgebaut mit VLAN-Trennung der Patientendaten, TI-Anschluss und gesichertem Gäste-WLAN. Mehr Komponenten, etwas höherer Endpreis.

Einfamilienhaus (8 Dosen, Neubau mit Leerrohren)

  • 8 × Cat6a-Dosen: ca. 1.200 – 2.000 €
  • Kleiner Netzwerkschrank (6 HE): ca. 200 €
  • Switch 8-Port: ca. 100 – 300 €
  • Gesamt: ca. 1.500 – 2.500 €

30-Dosen-Bürohaus (Etage)

  • 30 × Cat6a-Dosen: ca. 4.500 – 6.000 €
  • 19"-Schrank 12 HE + 2× Patchfeld + USV: ca. 800 – 1.100 €
  • Managed Switch 48-Port (USW-Pro-48-PoE): ca. 1.300 – 1.700 €
  • Gesamt: ca. 6.600 – 8.800 €

Drei reale NRW-Endpreise

Bonn-Beuel, EFH-Neubau 165 m², 9 Dosen + 1 Außendose Garten. Leerrohre vom Bauherrn vorbereitet, wir mussten nur durchziehen. Cat6a F/UTP Telegärtner, 6-HE-Wandschrank, 8-Port-Switch USW-Lite-8-POE. Endpreis: 2.380 € (entspricht 238 € pro Dose im Neubau, mit kleiner Außendose-Aufpreis).

Köln-Mülheim, Bürohaus 1. Stock, 32 Dosen. Leichtbauwände mit Hohlkammern, deshalb gut zu verkabeln. Aufputzkanäle nur in den Backbone-Bereichen. Cat6a S/FTP R&M, 12-HE-Wandschrank, 48-Port-Switch USW-Pro-48-PoE, dazu 2× Aruba AP22 für WLAN. Endpreis: 9.840 € (entspricht 308 € pro Dose im Bestand mit Mischverkabelung).

Düsseldorf-Heerdt, Arztpraxis 18 Dosen, Bestand. Sockelleisten-Kabelkanal in Behandlungsräumen, Aufputzdosen Beton-Decken. Cat6a F/UTP, Netzwerkschrank 9 HE, Sophos XGS 107 Firewall, 24-Port-PoE-Switch Aruba Instant On 1930, 3× UniFi U6-Pro Access Points, KBV-konformes VLAN-Setup. Endpreis: 6.900 € (entspricht 383 € pro Dose im Bestand mit höherem aktivem Komponenten-Anteil).

Stockwerks-Backbone: wann Glasfaser?

Bei mehr als zwei Stockwerken wird ein Backbone nötig. Optionen:

  • Cat6a 4× verbunden als Trunk (4× 10 Gbit/s aggregiert auf 40 Gbit/s LACP): 400–600 € Material, 1–2 Stunden Aufwand
  • Glasfaser OM4 6 Faserpaare: 800–1.200 € Material inkl. Pigtails und Spleißen, Investition für 20+ Jahre

Ab 4 Stockwerken oder wenn der Backbone über 50 m läuft, ist Glasfaser die wirtschaftlichere Wahl. Unter 4 Stockwerken reicht Cat6a-Trunk.

Wo Sie sparen können (und wo nicht)

Sparen Sie bei:

  • Eigenleistung: Kabelkanäle selbst montieren, Durchbrüche vorbereiten, Möbel rücken
  • Zeitpunkt: Verkabelung während Renovierung oder Neubau einplanen, nie nachher
  • Planung: Lieber einmal richtig planen als nachträglich nachrüsten
  • Cat6a statt Cat7 (wir haben das hier durchgerechnet)

Sparen Sie nicht bei:

  • Kabelqualität: Baumarkt-Trommel-Kabel ohne Cat6a-Zertifikat fällt im Return-Loss durch
  • Installation: Falsch aufgelegte Dosen sind die häufigste Fehlerquelle
  • Dokumentation: Ohne Beschriftung und Messprotokoll wird jede spätere Fehlersuche zum Albtraum
  • Aktiven Komponenten: Ein billiger Unmanaged-Switch macht VLAN unmöglich und damit DSGVO-konformes Gäste-WLAN

Lohnt sich eine Verkabelung überhaupt?

Kurz: ja. WLAN ist kein Ersatz für ein Kabelnetzwerk, sondern eine Ergänzung. Kabelgebundene Verbindungen liefern konstante Geschwindigkeiten, niedrige Latenzen und blockieren keine Funkfrequenzen. Gerade für VoIP-Telefonie, Videokonferenzen und den Anschluss von Überwachungskameras oder Access Points ist ein solides Kabelnetzwerk die Grundlage. Und ehrlich: jeder Kunde, der nach drei Jahren WLAN-Frust einen Cat6a-Anschluss zum Schreibtisch zieht, wundert sich, wie ruhig sein Netzwerk plötzlich läuft.

Wer plant, sollte die Dosenanzahl großzügig wählen. Eine zusätzliche Dose im Bauablauf kostet 30 €. Nachgezogen kostet sie 280 €. Die teuerste Dose ist immer die, die später fehlt.

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