Überwachungskamera-Reichweite: Brennweite, Auflösung und wie weit eine Kamera scharf sieht
Wie weit sieht eine Überwachungskamera wirklich scharf? Mit DORI-Tabelle für Erkennungs- und Identifikationsdistanz je Brennweite und Auflösung, dazu drei NRW-Praxisfälle und die Mythen rund um Megapixel und Nachtsicht.

Eine 4-MP-Kamera mit 4-mm-Objektiv identifiziert ein Gesicht bis etwa 6 m zuverlässig. Dahinter sehen Sie noch, dass jemand über den Hof läuft, aber nicht mehr, wer. Das hat nichts mit dem Preis der Kamera zu tun und auch nicht direkt mit den Megapixeln, sondern mit Pixeln pro Meter auf dem Ziel. Wer das einmal verstanden hat, kauft nie wieder die falsche Kamera für den falschen Platz.
Wie weit eine Kamera scharf sieht: die DORI-Tabelle
Die Branche misst Bildqualität nicht in Metern, sondern in Pixeln pro Meter (px/m) auf dem Objekt. Die Norm IEC EN 62676-4 definiert vier Stufen, kurz DORI:
| Stufe | Pixel pro Meter | Was Sie damit können |
|---|---|---|
| Detektion | 25 px/m | Es ist eine Person da, nicht was sie tut |
| Observation | 62,5 px/m | Verhalten, grobe Kleidung, Richtung |
| Wiedererkennung | 125 px/m | Bekannte Person wiedererkennen |
| Identifikation | 250 px/m | Fremde Person gerichtsfest identifizieren |
Die Stufen verhalten sich wie 1 zu 2 zu 5 zu 10. Heißt: Die Distanz, auf der Sie noch detektieren, ist das Zehnfache der Identifikationsdistanz. Eine Kamera, die auf 6 m identifiziert, erkennt eine Person bis 12 m wieder und detektiert sie bis 60 m. Das ist der Grund, warum eine einzige Kamera am Tor nie alles gleichzeitig leistet.
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Brennweite schlägt Megapixel
Die zweite Zahl, die zählt, ist die Brennweite des Objektivs. Sie entscheidet, wie breit der Bildausschnitt ist und damit, wie viele Pixel auf einem Meter Motiv landen. Kurze Brennweite (2,8 mm) heißt weiter Winkel, breiter Ausschnitt, wenig Pixel pro Meter in der Ferne. Lange Brennweite (12 mm) heißt schmaler Ausschnitt, viele Pixel pro Meter, weite Reichweite.
Hier die Identifikationsdistanz (250 px/m), Wiedererkennung (125 px/m) und Detektion (25 px/m) für eine typische 4-MP-Kamera (2688 Pixel in der Breite), bei Tageslicht:
| Brennweite | Bildwinkel ca. | Identifikation | Wiedererkennung | Detektion |
|---|---|---|---|---|
| 2,8 mm | 100° | bis 4,5 m | bis 9 m | bis 45 m |
| 4 mm | 80° | bis 6 m | bis 13 m | bis 64 m |
| 6 mm | 50° | bis 11 m | bis 23 m | bis 115 m |
| 8 mm | 38° | bis 15 m | bis 30 m | bis 150 m |
| 12 mm | 25° | bis 24 m | bis 48 m | bis 240 m |
Jetzt zur Auflösung. Sie hilft, aber weniger als die meisten denken, weil die Reichweite mit der Wurzel der Pixelzahl wächst, nicht linear. Dieselbe 4-mm-Optik, drei Sensoren:
| Auflösung | Pixel horizontal | Identifikation mit 4 mm |
|---|---|---|
| 2 MP (Full HD) | 1920 | bis 4,5 m |
| 4 MP | 2688 | bis 6 m |
| 8 MP (4K) | 3840 | bis 9 m |
Von 2 auf 8 MP vervierfachen Sie die Pixel. Die Identifikationsdistanz steigt von 4,5 auf 9 m, also auf das Doppelte. Eine 4K-Kamera für 700 € am falschen Platz sieht schlechter als eine 4-MP-Kamera für 250 € mit dem richtigen Objektiv. Das ist keine Theorie, das messen wir bei jeder Abnahme nach.
Drei Mythen, die teuer werden
"Mehr Megapixel, mehr Reichweite." Stimmt nur in engen Grenzen. Wer ein Kennzeichen auf 15 m lesen will, kommt mit Auflösung allein nicht hin, sondern braucht die passende Brennweite. Die 8-MP-Weitwinkelkamera über der Tür liefert ein beeindruckend großes, aber für die Ferne nutzloses Bild.
"Die Nachtsicht-Reichweite steht doch auf dem Datenblatt." Die 50 m IR-Reichweite bedeuten, dass die Infrarot-LEDs 50 m weit leuchten. Sie bedeuten nicht, dass Sie auf 50 m jemanden erkennen. Nachts fällt die nutzbare Identifikationsdistanz oft auf ein Drittel des Tageswerts, weil das IR-Bild rauscht und kontrastarm ist. Wer nachts auf Distanz erkennen muss, plant Weißlicht oder eine Kamera mit gutem Starlight-Sensor ein, nicht nur mehr IR-LEDs.
"Eine Kamera für den ganzen Hof." Geht, aber dann ist es eine Übersichtskamera und keine, die Täter identifiziert. Für beides brauchen Sie zwei Kameras: eine weitwinklige für den Überblick und eine mit langer Brennweite auf den Engpass, durch den jeder muss, also Tor, Eingang, Kassenzone.
Varifokal oder Festbrennweite?
Bei Festbrennweiten steht der Bildwinkel fest. Günstiger, robuster, aber Sie müssen vorher genau wissen, was die Kamera sehen soll. Varifokal-Objektive (zum Beispiel 2,8 bis 12 mm) lassen sich vor Ort einstellen, oft sogar motorisiert aus der Software heraus. Wir setzen bei jedem Außenbereich, bei dem die Distanz nicht glasklar ist, auf Varifokal. Die 40 bis 80 € Aufpreis pro Kamera sparen Sie beim ersten Einsatz, bei dem Sie nicht die Leiter holen und das Objektiv tauschen müssen.
Ein Punkt aus der Praxis: Vermeintlich identische Kameras unterscheiden sich enorm im Sensor. Ein 1/1,8"-Sensor sammelt deutlich mehr Licht als ein 1/2,8"-Sensor derselben Megapixelzahl. Bei Dämmerung und Nacht ist das der Unterschied zwischen brauchbar und Bildmüll. Wir nennen im Angebot immer Sensorgröße und Modell, nicht nur die MP-Zahl.
Drei Fälle aus NRW
Köln-Ehrenfeld, Lagerhalle mit Hofeinfahrt, 18 m bis zum Tor. Der Kunde wollte Kennzeichen der einfahrenden Lkw lesen. Vorher hing dort eine 8-MP-Dome mit 2,8 mm, die den ganzen Hof zeigte und auf 18 m kein Kennzeichen auflöste. Lösung: eine Varifokal-Bulletkamera (Hikvision DS-2CD, 4 MP, 2,8 bis 12 mm) auf 12 mm gestellt, plus die vorhandene Dome als Übersicht. Kennzeichen jetzt sauber lesbar. Material 320 €, Einrichtung und Ausrichtung 240 €.
Bonn-Beuel, Arztpraxis, Eingangsschleuse 4 m. Hier ging es um Identifikation am Empfang und Wahrung der Patientenruhe im Wartezimmer. Eine 4-MP-Kamera mit 4 mm auf den Eingang (Identifikation bis 6 m, passt), keine Kamera im Wartebereich, dafür ein Hinweisschild nach DSGVO. Die Praxis wollte mehr Kameras, wir haben abgeraten. Zwei reichten. Endpreis inklusive Rekorder 1.180 €.
Düsseldorf-Bilk, Ladengeschäft 90 m². Klassischer Fehler im Bestand: vier 2-MP-Kameras mit Weitwinkel, von denen keine an der Kasse identifizierte. Wir haben eine 4-MP-Kamera mit 6 mm gezielt auf die Kassenzone gesetzt (Identifikation bis 11 m deckt den Gang ab) und die Übersichtskameras belassen. Kein Komplettaustausch nötig, nur eine richtig gesetzte Kamera. 290 € Material, 180 € Arbeit.
In allen drei Fällen war die Auflösung zweitrangig. Erst kam die Frage: Welche Distanz, welcher Zweck, welche Brennweite. Danach die Kamera.
Was wir Ihnen raten würden
Legen Sie vor dem Kauf für jeden Punkt fest, was Sie brauchen: nur sehen, dass jemand da ist (Detektion), oder die Person später identifizieren können. Das eine kostet eine Übersichtskamera, das andere die richtige Brennweite am richtigen Engpass. Wer beides von einer einzigen Weitwinkelkamera erwartet, zahlt für Megapixel, die er nie nutzt.
Ganz ehrlich: Die meisten überdimensionierten Anlagen, die wir übernehmen, haben zu viele Kameras mit dem falschen Objektiv und zu wenig Plan. Wir messen vor Ort mit DORI-Vorgabe, wo Sie identifizieren müssen und wo Überblick reicht. Diese Planung gehört in jedes ordentliche Angebot.
Wir planen und installieren Videoüberwachung für Gewerbe und Privat in Köln, Bonn und Düsseldorf, DSGVO-konform und mit der Brennweite, die zu Ihrem Grundstück passt. Wenn Sie wissen wollen, was so eine Anlage kostet, lesen Sie unseren Beitrag zu Preisen, und wenn Sie zwischen IP- und Analogtechnik schwanken, klären wir das im selben Termin. Erstberatung mit Ausleuchtungs- und Distanzmessung vor Ort ist kostenlos.
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